Das Ende
Severin Schöllhammer hat diesen Text im Oktober 2026 geschrieben und für das Archiv freigegeben. Er erzählt, warum die Band aufhörte — aus seiner Sicht und in seinen Worten.
Es ist keine Chronik. Was die Quellen über die letzten Monate hergeben, steht in der Historie, und die Abende, von denen er spricht, stehen mit ihren Belegen in der Konzertchronik — der Abend in der Bastion vom 19. Juni 1999 ebenso wie das letzte Konzert im Juni 2000.
Das Ende der Blumen
Der Anfang ist bekannt. Das Ende soll auch erzählt werden. Es gehört dazu.
Habe ich „einfach keine so rechte Lust mehr auf Konzerte gehabt“, wie in einem Post-Blumen-Interview zu lesen war? Nein. Fast 16 Jahre Musik als meinen Mittelpunkt und mein Ventil habe ich nicht einfach so weggeworfen.
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Spulen wir zurück. Der 19. Juni 1999. Die Blumen des Bösen gaben ein Konzert in der Bastion in Kirchheim. Die Band war in Höchstform. Voller Erfolg. Als die letzten Akkorde verklangen, wusste es noch niemand, aber für mich sollte es the day the music died werden.
Kornel, den ich mit als besten Freund angesehen hatte, und der nach dem Konzert bei mir übernachtete, machte – in meinem Beisein, auf meinem Sofa – mit meinem weiblichen Übernachtungsgast rum. Letztere hatte ich sehr gemocht und eine gewisse Nähe in unsere Beziehung interpretiert. Die beiden machten einfach weiter. Als wäre ich unsichtbar. Als würde ich nicht an diesen Ort gehören. Als wäre es normal, meine Gastfreundschaft auszunutzen.
Enttäuschung. Schmerz. Einsamkeit. Daran änderte auch die Aussprache mit Kornel nichts mehr. Was tun? Ich stand vor unlösbaren Dilemmata:
Weiter machen? Unerträglich und unmöglich. Das Vertrauensverhältnis zu Kornel war zerstört.
Ihn rausschmeißen, Ersatz suchen? Auch wenn es sich als Fehler raus stellen sollte, mochte ein Teil von mir ihn immer noch und schätzte ihn als Musiker. Und ich war die ständigen Besetzungswechsel leid.
Die Band auflösen? Unvorstellbar. Musik war ein wesentlicher Teil meines Daseins. Unser 3. Album war eingespielt, sollte im Oktober erscheinen und auf einer Tour mit Fliehende Stürme vorgestellt werden. Die Chance, auf die man ein Musikerleben lang hofft, einfach wegwerfen? So kurz vorher? Andi wollte ich auch nicht enttäuschen.
Keine Lösung. Kein Ausweg. Die Tour brachte ich hinter mich, funktionierte nach außen, so gut es mir möglich war. Innerlich ging es immer weiter abwärts. Der Ärger nach dem Konzert in Tübingen macht es nicht besser. Trost und Freude fand ich an meinen neuen Lebensmittelpunkten (Danke, Drakan – Order of the flame! Danke, Tombraider und Lara Croft! Danke @ all die lieben Menschen, die ich durch Computerspiele kennen lernte).

Das Abschiedskonzert Juni 2000 setzte den Schlusspunkt unter diese Agonie.
Die Musik ließ ich zurück. Die Erinnerung verdrängte ich. Verbitterung und Schmerz nahm ich mit.
Erst mit Hilfe meiner großartigen Psychotherapeutin gelang es mir, viele Jahre später, meine musikalische Vergangenheit aufzuarbeiten. Nur darum gibt es dieses Online-Archiv. Akzeptieren, was war, im Guten wie im Schlechten. Schlussstrich drunter ziehen. Weiter gehen.
- S. Schöllhammer, Oktober 2026
Für das Archiv geschrieben und im Wortlaut übernommen; Rechtschreibung, Zeichensetzung und Hervorhebungen sind seine. Das Interview, aus dem er im zweiten Absatz zitiert, liegt dem Archiv nicht vor — keine der erfassten Pressestimmen enthält den Satz.