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Blumen des Bösen · BandarchivBlumen des Bösen

Konzerte

Die Chronik sammelt bislang 64 belegte oder aus erhaltenen Quellen rekonstruierte Auftritte. Unsichere Datierungen und abweichende Angaben werden in den Einträgen ausdrücklich benannt.

Chronik

2000

03. Juni 2000

Letztes Konzert

Limelight, Stuttgart · mit Fliehende Stürme

Das letzte Konzert der Band. Die Bandchronik auf der alten Seite endet im Oktober 1999 und kennt diesen Abend nicht; belegt ist er durch die Nachrichtenseite des Labels Sturmhöhe (Stand 7. März 2001): „DIE BLUMEN DES BÖSEN haben sich leider aufgelöst. Das letzte Konzert fand am 03.06.00 im LIMELIGHT – Stuttgart zusammen mit FLIEHENDE STÜRME statt.“

Ein Besucher aus Heidenheim, der auf der Fanseite von Dirk Gartmann nur „André“ genannt wird, hat den Abend beschrieben: Die Blumen begannen gegen 22 Uhr und spielten gut eine Stunde vor höchstens 150 Zuschauern. Vom Gitarristen sei nichts zu hören gewesen, das elektronische Schlagzeug habe „kaum hörbar vor sich hin“ getrommelt; das Saxophon habe ihm gefallen, es hätte öfter kommen dürfen.

Quellen: web.archive.org/web/20010307080709/http://www.sturmhoehe.de/News/body_news.html und web.archive.org/web/20020606093257/http://www.sirdirk.de/body_fs.htm. Der Bericht gehört seinem Verfasser; hier steht nur eine Zusammenfassung mit kurzen Zitaten.

In der Zeitung

Die Stuttgarter Nachrichten führten den Abend in ihrer Terminspalte: „Limelight, Blumenstraße 22: Fliehende Stürme & Blumen des Bösen, Sa, 21 Uhr.“ Der 3. Juni 2000 war tatsächlich ein Samstag. Die Adresse des Limelight lautete Blumenstraße 22.

© Stuttgarter Nachrichten. Aus der gedruckten Ausgabe, Rubrik „Termine“; hier nicht abgebildet.

Was gespielt wurde, ist nicht überliefert — von keinem Abend dieser Monate gibt es eine Setlist. Severin Schöllhammer erinnert für den Herbst 1999 einen festen Vorrat von zwölf Liedern, aus dem die Band schöpfte; er steht bei den Liedern selbst. Für diesen Abend nennt er eine Abweichung: hier spielte die Band „Zonengrenze ’84“ zum ersten und einzigen Mal vor Publikum.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Roman Schönsee war auch dabei. Er kam auf mich zu und sagte mir, dass er es kaum fassen könne, dass die Blumen aufhören. Er wirkte sichtlich bewegt und zum ersten und einzigen Mal habe ich ihn mit etwa feuchten Augen gesehen. Roman war beim ersten und beim letzten Konzert der Blumen des Bösen dabei. Dieser gemeinsame Weg endete.

Ich selber konnte es auch nicht wirklich fassen. Ich verbrachte die Zeit vor dem Auftritt nicht mit den bald ex-Kollegen, sondern mit meiner damaligen Freundin in einem Café. Auf der Bühne stand ich wie unter Schock. Ich funktionierte und spielte routiniert die Lieder, die mir in Fleisch und Blut übergegangen waren. Aber ich war nicht wirklich da. Nicht verbunden mit dem Abend, der Band, vielleicht nicht mal mehr mit mir selbst. In der Nacht, wieder zuhause, erlitt ich den ersten Nervenzusammenbruch meines Lebens. Vielleicht gibt es schönere Erinnerungen an jenen Abend, aber dieses sind die meinen.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

1999

26. November 1999

Bierkeller, Tübingen

Bierkeller, Tübingen · mit Belly's Dead End

In der Zeitung

Das Schwäbische Tagblatt kündigte den Abend in seiner Terminspalte an und stellte die beiden Gruppen gegenüber: „Belly’s Dead End machen den Folkrock Pogues-like, die Blumen des Bösen lieben melancholischen Punkrock: Beide zusammen spielen im Bierkeller (21 Uhr).“ Damit ist auch die Anfangszeit belegt.

© Schwäbisches Tagblatt. Die Seite stammt aus dem Redaktionsarchiv der Zeitung und wird hier nicht abgebildet.

Ein folgenreicher Abend

Severin Schöllhammer erinnert diesen Abend genau, weil er Folgen hatte: während „Am Ende der Reise“ kippte durch die Erschütterungen ein Verstärker um und beschädigte das Instrument eines Musikers einer anderen Band — so jedenfalls dessen Aussage.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Mir ging es seit Monaten sehr schlecht. Die Tour hatte meinen Zustand nicht gerade verbessert. Ich war nicht sehr motiviert zu dem Konzert. Meinen Verstärker hatte ich vergessen mit zu bringen und musste mir den der anderen Band ausleihen. Der Ärger mit dem umgekippten Verstärker gab mir den Rest. Danach konnte und wollte ich nicht mehr. Ich würde ja gerne schreiben, dass es mich tröstete dass eine alte Freundin zu Besuch war beim Konzert, aber es würde nicht der Wahrheit entsprechen. Sie machte das einzig erhaltene Foto von jenem Abend, das mich am Bass zeigt. Noch konnte niemand ahnen, dass es das letzte Foto von mir in so einer Konzertsituation und mit Instrument sein würde.

Nach dem Bierkeller bekamen wir ein Auftrittsangebot aus Berlin von einem alten Freund aus Öhringen. Dezember '99 war das, glaube ich, vielleicht auch Januar 2000. Sehr kurzfristig sagte ich ab (sorry, Gölder), ich war am Ende.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 1 Stück
  1. Am Ende der Reise

Von diesem Abend ist keine Setliste überliefert. Severin Schöllhammer erinnert ein einzelnes Stück sicher; die Liste ist deshalb kein Programm, sondern der einzige belegte Titel. Gespielt wurde mehr — aus welchem Vorrat, steht bei den Liedern. (Auskunft vom 13. September 2026.)

16. Oktober 1999

Zora, Halberstadt

Zora, Halberstadt · mit Fliehende Stürme

Nach dem Konzert

An diesem Abend fehlte Waldek Kopećs Verstärker schon: er war in der Nacht zuvor in Chemnitz gestohlen worden. Das datiert nebenbei die Bilder vom Bepacken der Autos — auf ihnen ist der auffällig orangefarbene Verstärker nicht mehr zu sehen, und deshalb gehören sie hierher und nicht zu einem früheren Abend.

Nach Severin Schöllhammer, 5. September 2026.

Wie es sich anfühlte

Der Sänger hat die Woche 27 Jahre später aufgeschrieben. Halberstadt war das letzte Konzert der Tourwoche, und für ihn der Höhepunkt:

„Sowohl vom allgemeinen Zuspruch, was die Zuschauerzahl anging, aber auch die Resonanz auf unsere Konzerte, wurde besser, je ‚tiefer‘ wir uns in den Osten gespielt haben. Weimar noch so lala, aber spätestens Halle, Rathenow, Halberstadt […] waren Konzerte, bei denen die Zuschauer uns kannten und auch respektierten, wo die Leute nicht hinten oder draußen rumlungerten, sondern bei uns auch aktiv zuhörten und klatschten. In Halberstadt, daher auch für mich der Höhepunkt, haben einzelne Leute ‚Kein Tag ohne Revolution‘ mitgesungen.“

„Und danach mit dem Gefühl nach Hause zu fahren, dass alle nur noch weg wollten und Krankheiten, war der krasse Gegensatz zu dem, wie ich mich gefühlt habe: Gebt mir nochmal 5 oder sechs Konzerte im Osten, es war einfach immer mehr unser Terrain. […] Das Gefühl, dass man mit noch ein wenig mehr Breite an Liedern im Set und vielleicht noch einer Single zwischendurch, Stück für Stück mehr Leute für sich begeistern konnte und dass man nicht immer nur die Krümel des Fliehende-Stürme-Kuchens hätte aufpicken müssen. […] Ich war angefixt, ich hatte Lust auf mehr. Vor allem mehr Konzerte.“

Acht Monate später spielte die Band ihr Abschiedskonzert. Martin „Kaktus“ Roeder über Signal, 5. September 2026. Ein zweifelsfreier Vertipper ist berichtigt („angefügt“ → „angefixt“), sonst ist der Wortlaut unverändert.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Ich teilte meine Koffein-Tabletten mit einem Kollegen, als wir in der Zora warteten. Am nächsten Tag, auf der Rückfahrt, gingen wir noch alle zusammen Pizza essen. Es war schon dunkel, als wir in Stuttgart ankamen und alle wieder ihrer Wege gingen. Wir waren eine gute Tour- Mannschaft gewesen. Freundlich, harmonisch, humorvoll, jeder trug das seinige bei. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bedanken bei Andi und den Fliehenden Stürmen. Wir wurden immer fair und freundlich behandelt und man ließ es uns nie spüren, dass wir nur eine kleine Nachwuchsband waren. Dierk Budde mischte uns als Vorband mit derselben Sorgfalt und Liebe ab, wie den Headliner Fliehende Stürme. Gleichheit, auch das ist spirit of punk. Ich war trotzdem erleichtert, wieder zuhause zu sein. Leb wohl, Tour-Leben. Willkommen zurück, eigene vier Wände und „Drakan – order of the flame“ und „Tombraider“.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

15. Oktober 1999

Talschock, Chemnitz

Talschock, Chemnitz · mit Fliehende Stürme

Von diesem Abend gibt es einen Bericht. Dirk Gartmann („Sir Dirk“) reiste aus Berlin an; ins Talschock kam er per Taxi, der Eintritt kostete 15 DM. „Dann kamen so gegen 22.30 Uhr die Blumen des Bösen auf die Bühne. Sie mühten sich redlich ab, aber kein Schwein kannte sie.“ Vor rund 250 Leuten spielten sie 45 Minuten und gaben dann „etwas entnervt auf“ — „die Blumen waren wirklich gut, wurden aber überhaupt nicht akzeptiert“. Danach spielten die Fliehenden Stürme vor derselben, nun bewegten Menge.

© Dirk Gartmann. Der Text gehört seinem Verfasser; hier stehen nur kurze Zitate. Quelle: web.archive.org/web/20020606093257/http://www.sirdirk.de/body_fs.htm

Und von der Bühne aus

Der Sänger erinnert den Abend genauso, nur von innen: Chemnitz sei „wieder eher Rückschritt“ gewesen, „da fehlte wieder das Publikum und wir verloren uns auf der ungewohnt großen Bühne“. Damit sagen ein Besucher und die Band dasselbe über denselben Abend. Der ganze Bericht steht beim letzten Abend der Tour, Halberstadt.

Martin „Kaktus“ Roeder über Signal, 5. September 2026. Ein zweifelsfreier Vertipper ist berichtigt („angefügt“ → „angefixt“), sonst ist der Wortlaut unverändert.

In der Nacht nach diesem Abend wurde Waldek Kopećs Verstärker gestohlen — er war über Nacht im Konzertsaal geblieben und am nächsten Morgen verschwunden. Bis zum 17. September 2026 stand das beim Abend darauf, in Halberstadt. — Im Backstage dieses Abends entstand beim Jammen eine Songidee, die die Band nach dem Ort benannte: „Griffe in Chemnitz“. Zusammen mit dem Stück aus Marl nahm sie sie nach dem Ende der Tour im Oktober 1999 auf einem Vierspurgerät auf. Die Kassette ist verschollen; erhalten ist nur ihr beschrifteter Einleger, und von „Kosaken in Marl“ ein textloses Fragment auf einer Proberaumkassette. (Severin Schöllhammer, 10. September 2026)

Severin Schöllhammer erinnert sich

Ich glaube, in Chemnitz war es, wo Kornel so stark fieberte, dass er schon fast wie im Delirium redet und und mich wissen ließ: „Sven, ich sterbe“. Er und ich und möglicherweise noch ein paar andere waren gesundheitlich in einem elenden Zustand. Das machte den Tour-Alltag nicht leichter, und der Tour-Alltag machte nicht leichter, sich auszukurieren. Man stellt sich Rock'n'Roll anders vor, mehr Hedonismus, weniger Krankheit. Aber Realität ist oft ernüchternd.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

In der Presse

  • sirdirk.de · Konzertbericht →„Die Blumen waren wirklich gut, wurden aber überhaupt nicht akzeptiert. Nach jedem Song klatschten nur 2–3 der etwa 250 anwesenden Leute.“
14. Oktober 1999

VL, Halle

VL, Halle · mit Fliehende Stürme

Wie es sich anfühlte

Halle zählt der Sänger zu den Abenden, an denen die Zuschauer die Band kannten und respektierten, „wo die Leute nicht hinten oder draußen rumlungerten, sondern bei uns auch aktiv zuhörten und klatschten“. Der ganze Bericht steht beim letzten Abend der Tour, Halberstadt.

Martin „Kaktus“ Roeder über Signal, 5. September 2026. Ein zweifelsfreier Vertipper ist berichtigt („angefügt“ → „angefixt“), sonst ist der Wortlaut unverändert.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Diese Erinnerung gehört zwei Abenden — Severin Schöllhammer ordnet sie dem 13. und dem 14. Oktober 1999 gemeinsam zu und sagt selbst, warum.

Meine Erinnerungen verschwimmen. Vielleicht verschmelze ich die beiden Abende. Wir wurden empfangen und es gab Suppe mit selber gesammelten Pilzen. Es war noch emsiges Treiben in der Küche, als wir ankamen. In Gesprächen mit Menschen von dort wurde uns gesagt, wo es einigermaßen sicher sei in der Gegend, und welche Gegenden wir lieber vermeiden sollten wegen Nazis. Das war schon beklemmend. Die ganze Band übernachtete in einer Wohnung, die wir ganz für uns hatten. Der Komfort einer Wohnung mit all ihren Bequemlichkeiten tat gut beim Tour- Alltag, besonders, wenn man, wie ich, schon einige Tage krank war. Als wir aufwachten am nächsten Morgen, sahen wir dass Waldek doch wieder aufgetaucht war und in der Wanne geschlafen hatte.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

13. Oktober 1999

Café Handgemenge, Rathenow

Café Handgemenge, Rathenow · mit Fliehende Stürme

Wie es sich anfühlte

Rathenow zählt der Sänger zu den Abenden, an denen die Zuschauer die Band kannten und respektierten, „wo die Leute nicht hinten oder draußen rumlungerten, sondern bei uns auch aktiv zuhörten und klatschten“. Der ganze Bericht steht beim letzten Abend der Tour, Halberstadt.

Martin „Kaktus“ Roeder über Signal, 5. September 2026. Ein zweifelsfreier Vertipper ist berichtigt („angefügt“ → „angefixt“), sonst ist der Wortlaut unverändert.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Diese Erinnerung gehört zwei Abenden — Severin Schöllhammer ordnet sie dem 13. und dem 14. Oktober 1999 gemeinsam zu und sagt selbst, warum.

Meine Erinnerungen verschwimmen. Vielleicht verschmelze ich die beiden Abende. Wir wurden empfangen und es gab Suppe mit selber gesammelten Pilzen. Es war noch emsiges Treiben in der Küche, als wir ankamen. In Gesprächen mit Menschen von dort wurde uns gesagt, wo es einigermaßen sicher sei in der Gegend, und welche Gegenden wir lieber vermeiden sollten wegen Nazis. Das war schon beklemmend. Die ganze Band übernachtete in einer Wohnung, die wir ganz für uns hatten. Der Komfort einer Wohnung mit all ihren Bequemlichkeiten tat gut beim Tour- Alltag, besonders, wenn man, wie ich, schon einige Tage krank war. Als wir aufwachten am nächsten Morgen, sahen wir dass Waldek doch wieder aufgetaucht war und in der Wanne geschlafen hatte.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

12. Oktober 1999

Gerber III, Weimar

Gerber III, Weimar · mit Fliehende Stürme

Wie es sich anfühlte

Der Sänger hat die Osttour später beschrieben: der Zuspruch sei besser geworden, je weiter östlich die Band spielte — „Weimar noch so lala, aber spätestens Halle, Rathenow, Halberstadt“ hätten die Zuschauer sie gekannt und respektiert. Der ganze Bericht steht beim letzten Abend der Tour, Halberstadt.

Martin „Kaktus“ Roeder über Signal, 5. September 2026. Ein zweifelsfreier Vertipper ist berichtigt („angefügt“ → „angefixt“), sonst ist der Wortlaut unverändert.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Ich teilte sündhaft teure meine Super-Multivitamin-Brause-Bombe mit jemand von der Tour- Mannschaft. Einen nicht unwesentlichen Teil des Tages verbrachte ich im Wartezimmer eines Arztes, von dem ich mir erhofft, dass er mich „gesund spritzen“ könnte für den Rest der Tour.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

11. Oktober 1999

Schacht Acht, Marl

Schacht Acht, Marl · mit Fliehende Stürme

Beleg für den Termin

Das Tourplakat zu diesem Abend ist bis heute im Handel nachweisbar und nennt Ort und Datum: „Fliehende Stürme 1999 In Concert — Blumen des Bösen Tour Poster Marl“, Montag, 11. Okt. ’99, Schacht 8, Abendkasse 16 DM, Einlaß 20 Uhr.

Quelle: die Angebotsseite eines Plakathändlers, luisposter.de — sie nennt „Marl – Schacht 8 – 11.10.1999“. Weil ein Shop-Artikel verschwindet, sobald er verkauft ist, liegt seit dem 7. September 2026 ein Schnappschuss im Internet Archive daneben. Abendkasse, Einlaßzeit und Wochentag stehen auf dem abgebildeten Plakat selbst, nicht im Text der Seite.

Im Backstage dieses Abends entstand beim Jammen eine Songidee, die die Band nach dem Ort benannte: „Kosaken in Marl“. Zusammen mit dem Stück aus Chemnitz nahm sie sie nach dem Ende der Tour im Oktober 1999 auf einem Vierspurgerät auf. Die Kassette ist verschollen; erhalten ist nur ihr beschrifteter Einleger, und von „Kosaken in Marl“ ein textloses Fragment auf einer Proberaumkassette. (Severin Schöllhammer, 10. September 2026)

An diesem Abend fiel ein Satz, der später in einen Songtext einging. Der Schacht 8 war groß und das Publikum überschaubar; Andi von den Fliehenden Stürmen überlegte, ob es sich lohne, mit dem Beginn noch zu warten: „Die Straßen sind leer, es kommt niemand mehr.“ Die Zeile steht heute in „Zonengrenze ’84“. (Martin „Kaktus“ Roeder, 10. September 2026)

Severin Schöllhammer erinnert sich

Im gigantischen gekachelten Backstage Raum las uns Peter, Basser von den Fliehende Stürme, die Schlagzeile aus der Bild-Zeitung vor. Der Sänger der Lords war auf der Bühne gestorben. Ich nahm das zur Kenntnis. Die Lords hatte ich in jungen Jahrenh durchaus gern gehört.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

10. Oktober 1999

AJZ, Aachen

AJZ, Aachen · mit Fliehende Stürme

Severin Schöllhammer erinnert sich

An dem Abend spielte noch eine weitere Band außer Fliehende Stürme und uns. Ein Freund von uns war zu Besuch beim Konzert, ich erinnere mich nur nicht mehr genau, welcher. Kornel und ich betranken uns auffällig diskret. 02. Oktober 1999

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

09. Oktober 1999

AJZ, Bielefeld

AJZ, Bielefeld · mit Fliehende Stürme
02. Oktober 1999

AJZ, Homburg

AJZ, Homburg · mit Fliehende Stürme

Severin Schöllhammer erinnert sich

Hier weicht meine Erinnerung von der von Kaktus ab: Ich kann mich nicht erinnern und kann mir auch nicht vorstellen, dass ich in Homburg übernachtete. Mein Vertrauensverhältnis zu einem der Bandmitglieder war seit Juni zutiefst gestört. Mein gesundheitlicher Zustand extrem fragil. Und mein Geselligkeit auf einem Tiefpunkt.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Martin „Kaktus“ Roeder erinnert sich

Der Abend gehörte für die Band schon zur Tour, ohne ihr Teil zu sein: „Vor der Tour spielten wir noch 2× in Tübingen, 1× in Kirchheim und als ‚Warm Up‘ schon mit den Stürmen in Homburg, 1 Woche vor Beginn der Tour.“ Das Wort stammt von Andi Lehrer von den Fliehenden Stürmen; nach Roeders Einschätzung galt es auch dessen eigener Besetzung, die sich vor jeder Tour neu zusammenfand.

Aufgeschrieben am 27. September 2026. Der Text ist am Telefon getippt; berichtigt sind ausschließlich zweifelsfreie Verschreiber.

19. Juni 1999

Bastion, Kirchheim

Bastion, Kirchheim · mit ISOLIERBAND, HONEYBOMB, NAYDAIWAH

Severin Schöllhammer erinnert sich

Für mich sollte es zu the day the music died werden. Aber auf der Bühne wusste ich noch nichts davon. Und wir waren in Topform. Eingespielt, routiniert und voller Einsatz. Der Live-Mitschnitt zeigt die Band von ihrer besten Seite und man kann förmlich hören, wie der Funke aufs Publikum überspringt. Wie Publikum und Band sich gegenseitig aufheizen. Dem guten Kaktus ist bei Gesang und Ansagen anzuhören, wie viel Stolz, Freude und Begeisterung er empfindet. Vielleicht der beste Auftritt dieser Besetzung. Ganz sicher aber der beste Live-Mitschnitt dieser Besetzung. Für mich endeten Abend und Nacht sehr bitter, enttäuschend und verletzend, und - auch wenn ich das noch nicht wusste - es war der Anfang vom Ende der Band. Es tröstet ein klein wenig, zu hören, dass wir alles gegeben haben, dass wir zeigten, was wir als Band drauf hatten, dass es ein glorreiches Ende war, bis der letzte Akkord verklang. All flowers fade.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Martin „Kaktus“ Roeder erinnert sich

„In Kirchheim kamen wir tatsächlich gut an.“ Der Abend steht bei beiden anders im Gedächtnis: für Severin Schöllhammer endete er bitter, für Roeder war es einer der Abende, an denen sich das Üben auszahlte.

Aufgeschrieben am 27. September 2026. Der Text ist am Telefon getippt; berichtigt sind ausschließlich zweifelsfreie Verschreiber.

Setlist — 12 Stücke
  1. Intro
  2. Albert
  3. Sakrament des Büffels (auf dem Mitschnitt mit dem folgenden Stück in einer Datei)
  4. Sysyphus (auf dem Mitschnitt mit dem vorigen Stück in einer Datei)
  5. W. Ende
  6. Lügendetektor
  7. Toter Winkel
  8. Stella
  9. Kein Tag ohne Revolution
  10. All flowers fade
  11. Am Ende der Reise
  12. Eugen

Abgelesen vom Mitschnitt des Abends, der im Archiv als „Live in der Bastion, Kirchheim“ steht — elf Dateien in Reihenfolge, aus dem Bandarchiv. Severin Schöllhammer hat sie am 11. September 2026 als Setlist des Abends bestätigt und dabei berichtigt: es sind zwölf Stücke, nicht elf. „Sakrament des Büffels“ und „Sysyphus“ sind zwei eigenständige Lieder und blieben nur beim Schneiden des Bandes in einer Datei. — Was ein Mitschnitt festhält, ist nicht zwingend der ganze Abend: von Essen 1995 sind vier Stücke erhalten, von Höfingen zwei. Hier spricht nichts für eine Lücke, aber die Liste bleibt, was sie ist — das, was auf dem Band ist.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 11 Aufnahmen →

17. April 1999

Bierkeller, Tübingen

Bierkeller, Tübingen · mit IT CAN SWIM
09. April 1999

Limelight, Stuttgart

Limelight, Stuttgart · mit WANK, VERBRANNTE ERDE, HUMAN TIME BOMB und FLIEHENDE STÜRME

Anmerkung der Chronik: DAS 50. KONZERT!!!

Mitschnitt

Der Abend im Limelight, zur Premiere des Samplers „Geschichten aus der Zwischenzeit“ — und der erste erhaltene Mitschnitt mit Martin „Kaktus“ Roeder am Gesang. „Kein Tag ohne Revolution“ liegt zusätzlich einzeln vor, in einer von Chris Wohlwill bearbeiteten Fassung.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Das erste Konzert gemeinsam mit Fliehende Stürme. Dass wir uns mal eine Bühne teilen würden, hätte sich mein 16- oder 17-jähriges Ich nicht träumen lassen, als ich sie zum ersten Mal live erlebt hatte in Schorndorf. Nun mit ihnen zu spielen, war auf schöne Weise aufregend. Es ging aufwärts, rasend schnell! Zwei mir damals sehr nahe stehenden Menschen, Claudi und Steffen, war mit mir beim Konzert. Wir knutschten (und wurden dafür kritisiert), wir schmollten, wir versöhnten uns. Wir waren unsere eigene kleine Welt. Ein guter Abend, alles in allem.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 11 Stücke
  1. Intro
  2. Albert
  3. Sakrament des Büffels
  4. Toter Winkel
  5. W. Ende
  6. Stella
  7. Eugen
  8. Kein Tag ohne Revolution
  9. Lügendetektor
  10. All Flowers Fade
  11. Am Ende der Reise

Handbeschrifteter Kassetteneinleger aus dem Bandarchiv (Maxell XLII). Am 4. September 2026 vollständig neu eingescannt: die Liste endet mit „Am Ende der Reise“ am unteren Rand des Einlegers. Die rechte Hälfte des Einlegers verdeckt ein aufgeklebter Zettel.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 2 Aufnahmen →

1998

25. September 1998

Komma, Esslingen

Komma, Esslingen · mit KILL THE AUDIENCE und EVIL'S TOYS

Severin Schöllhammer erinnert sich

Ich weiß nicht mehr, wie es sich ergab, dass Bernd als Gaststar bei dem Konzert dabei war, aber ich erinnere mich, dass eine Wand von zwei Gitarren zu haben unserer Musik gut tat. Ich glaube, ich war ganz zufrieden mit unserem Auftritt.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Martin „Kaktus“ Roeder erinnert sich

„Auch das Konzert im Komma — eigentlich eine Kategorie zu groß für uns — war schon besser.“

Aufgeschrieben am 27. September 2026. Der Text ist am Telefon getippt; berichtigt sind ausschließlich zweifelsfreie Verschreiber.

05. Juni 1998

Studentenwohnheim Neuhalde, Tübingen

Studentenwohnheim Neuhalde, Tübingen

Severin Schöllhammer erinnert sich

Im Wortsinne ein Heimspiel für Teile der Band. Es war das größte Zusammenkommen von aktuellen und ehemaligen Mitgliedern der Blumen des Bösen, das es jemals gab. Das fühlte sich sehr schön an. Sehr verbindend. Die Gruppenfotos sind ein Schatz auf ihre Weise.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Martin „Kaktus“ Roeder erinnert sich

Nach dem Fehlstart in Freudenstadt drei Monate zuvor: „Das ‚Heimspiel‘ im Studentenwohnheim Neuhalde war da Balsam.“

Aufgeschrieben am 27. September 2026. Der Text ist am Telefon getippt; berichtigt sind ausschließlich zweifelsfreie Verschreiber.

16. Mai 1998

Privatparty bei Severin, Neuffen

Privatparty bei Severin, Neuffen
21. März 1998

JH, Freudenstadt

JH, Freudenstadt · mit GALLERY

Martin „Kaktus“ Roeder erinnert sich

Sein erstes Konzert als Sänger — das vorige Konzert der Band liegt ein halbes Jahr zurück und noch in Marty González Martíns Zeit. Roeder nennt den Abend „definitiv zu früh und ein schwerer Rückschlag für mein Selbstvertrauen, da das Repertoire dünn und die Zeit zu üben kurz gewesen war“.

Aufgeschrieben am 27. September 2026. Der Text ist am Telefon getippt; berichtigt sind ausschließlich zweifelsfreie Verschreiber.

1997

02. September 1997

Radiosender Wüste Welle, Tübingen

Anmerkung der Chronik: „Oktober“

Im Radio

Der dritte und letzte Auftritt der Band bei Radio Wüste Welle, wieder in Captain Gallinas Punk Rock Party. Gespielt wurde erneut unplugged, diesmal „Oktober“. Von dem Stück gibt es sonst nichts: keine Veröffentlichung, keinen Text, keine zweite Aufnahme.

Aus dem Bandarchiv.

Aufnahme von diesem Abend

01Oktober (live im Radio, 2. September 1997)Herunterladen
05. April 1997

JuZe, Öhringen

JuZe, Öhringen · mit BUR MONTER und 1SBH

Severin Schöllhammer erinnert sich

Unser letztes Mal in Öhringen, der letzte Auftritt mit Marty – das wussten wir alles damals noch nicht, aber es gab eine zugrunde liegende Stimmung von Anspannung und bevorstehenden Verwerfungen. Es war das erste Konzert seit Monaten. Vermutlich hatte „Albert“ seine Live-Premiere.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

1996

31. Dezember 1996

Privatparty bei Kornel & Waldek, Germersheim

Privatparty bei Kornel & Waldek, Germersheim
25. Oktober 1996

Klub der Jugend, Gera

Klub der Jugend, Gera · mit LOST BELIEF und DEAD GENERATION

Severin Schöllhammer erinnert sich

Die lange Fahrt bot viel Zeit, sich zu betrinken, was, zum Leidwesen von Marty, auch leidlich genutzt wurde. Wir kamen sehr angeheitert an. Marcella, eine alte Freundin von mir, war zum Konzert gekommen. Sie machte die Fotos, glaube ich. Die Band übernachtete in einem leer stehenden Haus. Von besagtem Haus am Morgen danach und der Anfahrt gibt es kurze Videofilme, die zugleich die letzten Videodokumente der Band.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

16. Oktober 1996

Epplehaus, Tübingen

Mitschnitt

Dreißig Minuten aus dem Epplehaus. Zwei Coverfassungen sind einzeln herausgeschnitten: „Fever“ und „Puppe“, letztere nach „Poupée de son“ von France Gall.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Marty erzählt in einer Ansage, wie spontan das Konzert zustande kam: Kurzfristig wurden wir gefragt, ob wir für eine ausgefallene Band als Ersatz einspringen könnten. Und plötzlich waren wir die einzige Band des Abends. Unser Programm war noch kurz, wir hatten erst angefangen, in der neuen Besetzung zu proben. Aber das Mitschnitt jenes Abends klingt nach einem guten Konzert.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 8 Stücke
  1. Confusión
  2. Regenkatzen
  3. Entre dos lenguas
  4. Metro II
  5. Glückliche Depression
  6. Kein Tag ohne Revolution
  7. Fever
  8. Puppe

Handbeschrifteter Kassetteneinleger aus dem Bandarchiv (Fuji K2).

Der ganze Abend als Mitschnitt: 4 Aufnahmen →

30. Juni 1996

Rollschuhplatzfestival, Kirchheim/ Teck

Rollschuhplatzfestival, Kirchheim/ Teck

Aus Bernds Tourbericht

Kirchheim unter Teck, Rollschuhplatz-OpenAir, unter anderem mit Dirty Frank — am Tag des Europameisterschafts-Endspiels. Die Bühne war groß und wie bei Musicals ein paar Grad nach vorne geneigt. Etwa 300 bis 400 Leute waren da; während des Sets der letzten Gruppe füllte sich das Gelände mit über 1200 Leuten, die alle Fußball sehen wollten, denn im Inneren der Bühne prangte eine Großleinwand. „So kam es, daß die Spieler schon zur Nationalhymne auf der Leinwand aufliefen und Dirty Frank mit Shownebel und Rock ’n’ Roll die bizarre Umrahmung bildeten.“

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

02. Juni 1996

Mauerfest-OpenAir, Ilsfeld

Mauerfest-OpenAir, Ilsfeld

Aus Bernds Tourbericht

Ilsfeld, Mauerfest-OpenAir, mit Die Dreckspatzen, Jameson Rox und Junk City Allstars. „Das uns angekündigte OpenAir entpuppte sich schnell als OpenDoors, nämlich als verkaufsoffener Sonntag, der zusammen mit dem Ilsfelder Mauerfest abgehalten wurde.“ Der Backstageraum war ein direkt hinter der Bühne geparkter Lastwagen. Zusätzlich zur Gage gab es eine Menge Gutscheine, die gegen Essen und einige Flaschen Ilsfelder Wein eingetauscht wurden.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Als Band waren wir bei der Veranstaltung völlig fehl am Platz, aber wir wurden freundlich behandelt und hatten unseren Spaß. Und wir hatten genug Wartezeit für Gespräche. In einem davon teilte ich Bernd mit, dass ich nicht den Traum vieler Musiker teile, eines Tages davon zu leben, aus Sorge, dass es mich korrumpieren würde. Er fand es erstaunlich.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

27. Mai 1996

M.J.C., Rambouillet

M.J.C., Rambouillet

Kein regulärer Auftritt: Die Blumen des Bösen standen an diesem Abend nicht im Programm. Ein Großteil der Band war auf einer Frankreichreise dabei — Marty González Martín, Severin Schöllhammer und Kornel Lapon —, und die drei spielten spontan auf der Bühne eine Coverversion von „Fever“. Am Schlagzeug saß, ebenfalls spontan, Hans Pommer; er wird drei Jahre später in der Danksagung auf „Aus Ruinen“ genannt. (Severin Schöllhammer, 11. September 2026)

Severin Schöllhammer erinnert sich

Wir spielten ja gar nicht offiziell als Blumen und waren nur für ein Lied auf der Bühne, aber es macht Spaß, „Fever“ zu spielen. Das spielten wir damals gern, sei es bei Proben oder Parties. Bei diesem zweiten Frankreich-Besuch hatten wir wieder sehr liebenswerte Gastgeber. Paul stellte uns seine Wohnung zur Verfügung und ging mit uns einkaufen. Mehr und bessere Gastfreundschaft ist absolut unvorstellbar. Sprachbarrieren gab es nicht. Wo Freundlichkeit und gegenseitiges Interesse vorhanden sind, finden sich immer Wege zur Kommunikation. Und so war es auch in Rambouillet.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 1 Stück · Marty (Gesang), Severin (Baß), Kornel (Saxophon), als spontane Aushilfe Hans Pommer (Schlagzeug)
  1. Fever (spontan gespielte Coverversion)

Ein einziges Stück, und das war das ganze Programm: die Band stand nicht auf dem Plan und spielte spontan. Nach Severin Schöllhammer, 11. September 2026. Anders als sonst ist diese Liste also keine Untergrenze, sondern vollständig.

30. April 1996

Dreispitzfestival, Hülben

Dreispitzfestival, Hülben · mit IT CAN SWIM, SOPHIE'S CHOICE

Aus Bernds Tourbericht

Hülben, Dreispitz-Festival, etwa 250 Leute, mit It Can Swim und Sophie’s Choice. „Ein klasse organisiertes Festival, zu welchem die Jungs von I.C. Swim eingeladen hatten. Wir ernteten zwar hämische und unverständige Kritik für den Computereinsatz, aber wie das bei Blumenkonzerten immer war, tauten dann doch noch ein paar Leute auf und nahmen uns so an wie wir waren.“

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Mitschnitt

Sechsunddreißig Minuten vom Dreispitz-Festival in Hülben — der erste Auftritt, bei dem der Drumcomputer statt eines Schlagzeugers spielte.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Ich hätte mir nie träumen lassen, mal ein cooles nächtliches Konzert auf der schwäbischen Alb zu geben – an einer Stelle, wo ich viele Jahre zuvor als Kind mit meinen Eltern und meiner Oma gespielt hatte. Diese Verbindung zwischen zwei weit entfernten Lebensabschnitten berührte mich. Es war sehr lieb von It can Swim gewesen, uns zu dem Festival einzuladen, obwohl wir zwei Bands völlig unterschiedliche Musik machten.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 10 Stücke · Marty (Gesang), Severin (Bass), Bernd (Gitarre), Kornel (Saxophon, Keyboard), am Drumcomputer vermutlich Igor
  1. Angst
  2. Krieg der Plakatkleber
  3. Tier
  4. Skelett (Saxophon)
  5. Regenkatzen (Saxophon)
  6. Kompass (Saxophon und Querflöte)
  7. Sus 512 (Keyboard)
  8. Ge-x-teilt (Saxophon)
  9. Poupée de son
  10. Dr. Allwissend (Saxophon)

Setlist aus dem Bandarchiv. Der Name des Drumcomputer-Spielers steht dort mit Fragezeichen.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 1 Aufnahme →

30. März 1996

Privatparty bei Arno, Leonberg

Privatparty bei Arno, Leonberg
22. März 1996

JuZe, Öhringen

JuZe, Öhringen · mit LIFE FOR SALE

Aus Bernds Tourbericht

Öhringen, Jugendhaus, etwa 40 Leute, mit Life for Sale und einer weiteren Band aus dem Osten. Nachdem sich die Band eine Woche nach dem Auftritt im Epplehaus von Arno getrennt hatte, lieh sie sich von Loonatikk den Drumcomputer „Igor“ aus, um es einmal ohne Schlagzeuger zu versuchen. In Öhringen wagte sie damit das erste Live-Experiment. „Auch das Publikum nahm unsere ersten Computer-Gehversuche (lange vor Rammstein) sehr positiv auf. Nur die Lifers glaubten bis zum Schluß, es würde sich um einen Scherz handeln und Arno würde jeden Moment auf die Bühne springen.“

Bernd Mall datiert diesen Abend auf den 12. April 1996, die Konzertliste der Band auf den 22. März 1996. Welches Datum stimmt, ist offen. Der Wochentag hilft hier nicht weiter: Konzerte fanden in der Regel freitags oder samstags statt, und beide Termine waren ein Freitag.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Nachtrag zum Datum

Endgültig entscheiden lässt sich der Abend nicht. Die Band hält die eigene Chronik für die zuverlässigere der beiden Quellen — deshalb steht dieser Termin auf dem 22. März 1996. Bernd Malls Datierung auf den 12. April bleibt daneben stehen.

Auskunft von Sven Schöllhammer über Signal, 4. September 2026.

16. März 1996

Privatparty bei Severin, Neuffen

Privatparty bei Severin, Neuffen
10. Januar 1996

Epplehaus, Tübingen

Aus Bernds Tourbericht

Tübingen, Richard-Epple-Haus, etwa 100 Leute. „Endlich, der Auftritt im Punktempel schlechthin sollte zumindest für mich eine Premiere darstellen.“ Vor dem Soundcheck war die Band noch einmal im Radio, um Reklame für das Konzert zu machen.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Mitschnitt

Zweiunddreißig Minuten aus dem Epplehaus. Die Aufnahme bricht im letzten Stück, „Tier“, ab. Von der Radiosendung, in der die Band an diesem Tag für den Abend warb, ist ebenfalls ein Mitschnitt erhalten.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Setlist — 9 Stücke · Marty (Gesang, Querflöte), Severin (Bass), Bernd (Gitarre, Gesang), Arno (Schlagzeug), Kornel (Saxophon)
  1. Angst
  2. Krieg der Plakatkleber
  3. Entre dos lenguas
  4. Poupée de son
  5. Regenkatzen
  6. Kompass
  7. Wilde bunte Kinder
  8. Ge-x-teilt
  9. Tier (Aufnahme bricht ab)

Abschrift aus dem Bandarchiv, von Sven Schöllhammer am 4. September 2026 zusammen mit dem Mitschnitt geschickt. Sie nennt auch die Besetzung des Abends; hinter „Tier“ steht dort „abgeschnitten“ — dort bricht die Aufnahme ab.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 1 Aufnahme →

1995

22. Dezember 1995

Stadthalle, Metzingen

Stadthalle, Metzingen

Aus Bernds Tourbericht

Metzingen, Stadthalle, etwa 300 Leute. Herr Hauser hatte die Band als Entschädigung für die Pleite auf der Ermstalwoche für eine weitere Veranstaltung des Volksblattes engagiert: die Abschlußfeier der Reihe „Zeitung und Schule“. Ohne Gage, dafür mit Interview, CD-Besprechung und einem Live-Bericht in der Zeitung. „Da standen wir also auf dieser Bühne, die doppelt so groß war als alles das, was wir bis dahin als riesige Bühne empfunden hatten. Unterhalb der Rampe saßen so an die 300 Leute (Kids mit Eltern) und tranken Kaffee und aßen Kuchen.“

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Aus der Presse

Um 16 Uhr in der Metzinger Stadthalle, beim Abschlußfest der Aktion „Zeitung und Schule“ des Metzinger-Uracher Volksblatts. Am selben Tag erschien dort ein langes Interview mit der Band, geführt unter Beteiligung von Schülerinnen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums.

Darin steht vieles, was sonst nirgends belegt ist: die Gründung im Juni 1992, die Herkunft der vier aus Neuffen, Bad Urach und Stuttgart, und dass die Deutschlandtournee ohne Manager entstand — „haben wir uns alle mit einer Karte hingesetzt und überlegt, wo es Auftrittsmöglichkeiten gibt“, so Severin Schöllhammer. Am Ende standen Termine „vom Ruhrpott fast bis zur Oder“.

Setlist — 10 Stücke
  1. Doktor Allwissend (auf der Liste „Dr. Allwissend“)
  2. Entre dos lenguas
  3. Poupée de son (mit Kornel Lapon am Saxophon)
  4. Regenkatzen (mit Kornel Lapon am Saxophon)
  5. Kompass (mit Kornel Lapon am Saxophon)
  6. No lloraré
  7. Tier
  8. Die Maschine lebt
  9. Ersetzt
  10. Kein Tag ohne Revolution (hier bricht der Mitschnitt ab)

Abgelesen vom Videomitschnitt des Abends, aus dem Bandarchiv; Severin Schöllhammer hat ihn am 11. September 2026 angesehen und mitgeschrieben. Der Mitschnitt ist unvollständig und bricht während des letzten Stücks ab — die Liste ist also eine Untergrenze, nicht der ganze Abend. Drei Stücke sind auf seiner Notiz eigens gekennzeichnet: dort spielte Kornel Lapon Saxophon.

16. Dezember 1995

Little Woodstock, Heilbronn

Little Woodstock, Heilbronn · mit LOONATIKK, MALICIOUS, MUCUPURULENT, DELETE

Beleg

Der Termin steht in der Konzertliste der Band und im Tourbericht von Bernd Mall, der den Abend als Augenzeuge schildert. Das erhaltene Plakat kündigt dagegen Samstag, den 2. Dezember 1995 an: „Little Woodstock Heilbronn, Eintritt DM 5,-“, die Band angekündigt als „Barock-Punk, aktuelle CD: Übermut werde Spaten“.

Warum der 16. Dezember

Bernd Mall beschreibt, wie die Band vor dem Auftritt durch die weihnachtlich geschmückte Heilbronner Innenstadt streifte. Der erste Advent fiel 1995 auf den 3. Dezember — am 2. Dezember war die Stadt also noch nicht geschmückt, am 16. Dezember dagegen schon. Severin Schöllhammer erinnert weder einen zweiten Auftritt in Heilbronn noch eine Verschiebung — nach dreißig Jahren allerdings ein schwaches Argument, das Gewicht liegt auf der Dekoration. Warum das Plakat einen anderen Samstag nennt, bleibt offen; angekündigter und gespielter Termin fallen hier auseinander.

Aus Bernds Tourbericht

Heilbronn, Little Woodstock, etwa 110 Leute, mit Loonatikk und zwei weiteren Noise-Core-Bands — eine davon die Band von Markus Rössner, der das Konzert auch organisiert hatte. „Als wir vor dem Auftritt in der weihnachtlich geschmückten Heilbronner Innenstadt herumstreunten, war uns allen kalt. Wir waren mißgelaunt und wollten das ganze schnell hinter uns bringen und dann nach Hause. Das Konzert wurde dann doch ganz ordentlich“ — und Kornel spielte an diesem Abend zum ersten Mal offiziell bei ein paar Liedern Saxophon.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

30. Oktober 1995

Krokodil, Kirchheim

Krokodil, Kirchheim

Aus Bernds Tourbericht

Kirchheim, Krokodil, etwa 150 Leute. Gespielt wurde als Gast der Abschiedsparty für die Leute aus Paris. Eröffnet wurde mit „Poupée de son“. „Am tollsten waren die ‚LeFleur! LeFleur!‘-Rufe nach jedem Lied.“ Nach einer zweistündigen Blues-Jamsession hatte das Publikum vom ewigen Gedudel die Schnauze voll — die Band brauchte nur die Bühne zu entern, die Gitarren einzustecken und alle Regler auf zehn zu drehen. Nach fünf Stücken war sie wieder verschwunden: „eine Ohrfeige aus dem Nichts“.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

03. Oktober 1995

Radiosender Wüste Welle, Tübingen

Anmerkung der Chronik: „Was ertragen“

Aus Bernds Tourbericht

Die Blumen zu Gast bei der Punkrockparty des Senders Wüste Welle in Tübingen. Zum ersten Mal war die Band persönlich und live in einer einstündigen Radiosendung zu hören; es wurden Fragen gestellt, Raritäten gesendet und Musikwünsche erfüllt.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Im Radio

Zu Gast in der Punk-Rock-Party bei Radio Wüste Welle in Tübingen. Die Band war zum ersten Mal persönlich und live in einer Sendung zu hören und spielte dort unplugged „Was ertragen“ — die einzige erhaltene Aufnahme dieses Stücks aus jener Zeit. Die Sendung machte Achim von den Simons unter dem Namen Captain Gallina.

Aus dem Bandarchiv.

Aufnahme von diesem Abend

01Was ertragen (live im Radio, 3. Oktober 1995)Auszug aus „Wasser tragen“ aus dem Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“ — ein fremdes Werk, für das dem Archiv keine Lizenz vorliegt.
30. September 1995

Ermstalwoche, Metzingen

Ermstalwoche, Metzingen

Aus Bernds Tourbericht

Metzingen, Ermstalwoche. Dr. Hauser vom Metzinger Volksblatt hatte die Band eingeladen, doch die Mieter der benachbarten Messestände machten allen das Leben schwer. „Darüber hinaus drängelte eine Horde übergewichtiger Frauen in Reifröcken auf die Bühne, um eben diese in unförmigen Drehbewegungen zu ungarischer Musik fliegen zu lassen. Zum Schluß spielten wir schon so leise, daß man die Blasmusik hören konnte, welche in der über-übernächsten Halle spielte.“ Nach zwanzig Minuten war Schluß — der einzige Auftritt, den die Band jemals abgebrochen hat.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

22. September 1995

Tipi-Fest, Notzingen (bei Kirchheim/ Teck)

Tipi-Fest, Notzingen (bei Kirchheim/ Teck)

Livemitschnitt

Von diesem Abend gibt es einen Mitschnitt, und zwar einen besonderen: Severin Schöllhammer brannte die vierzehn Stücke 1995 auf eine CD, die er „Geisterfahrer“ nannte — ein einziges Exemplar, um die Aufnahmen zu sichern, kein Tonträger im eigentlichen Sinn. Es ist der einzige Abend der Band, von dem jedes Stück einzeln erhalten ist.

Aus Bernds Tourbericht

Notzingen bei Kirchheim unter Teck, Tipi-Fest, etwa 70 Leute — das eigentliche Abschlußkonzert der Tour. „Es war für uns ein ziemlich komisches Gefühl, in einem Indianerzelt zu spielen. Und es wäre sicher auch ein echtes Indianerfeeling aufgekommen, wäre es an diesem Abend nicht so saukalt gewesen.“ Das Konzert wurde mitgeschnitten und später zusammen mit den Aufnahmen von Bocholt als Kassette „Friede den Hütten …“ bei Gorkon Records in Hamburg veröffentlicht.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Setlist — 14 Stücke
  1. Intro / Angst (zwei Stücke am Stück gespielt)
  2. Krieg der Plakatkleber
  3. Kompaß
  4. Wilde bunte Kinder
  5. Ersetzt
  6. No lloraré
  7. Tanz / Die Maschine lebt (zwei Stücke am Stück gespielt)
  8. Weißes Blut
  9. Doktor Allwissend
  10. Entre dos lenguas
  11. Meister des Zufalls
  12. Poupée de son
  13. Kein Tag ohne Revolution
  14. Spiritus

Abgeschrieben von der Rückseite der CD „Geisterfahrer“ (1992–95), deren erste vierzehn Titel diesen Abend wiedergeben; sie trägt dort den Vermerk „live September 1995“. Dass es der 22. September in Notzingen ist, hat Severin Schöllhammer am 11. September 2026 bestätigt. Die Liste ist die Reihenfolge des Mitschnitts, nicht notwendig die des ganzen Abends: was nicht auf die CD kam, steht auch hier nicht.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 14 Aufnahmen →

16. September 1995

JH, Höfingen

JH, Höfingen · mit MONKEY PUZZLE TREE

Aus Bernds Tourbericht

Höfingen, Jugendhaus, etwa 150 Leute: das Freshbang-Festival mit den Blumen des Bösen, Monkey Puzzle Tree und vier Deathmetal-Bands, organisiert von Arno und seinem Bruder Fabian. Dort traf die Band Markus Rössner von MDD Records, der gleich ein paar CDs in seinen Vertrieb aufnahm. Weil sie als letzte spielen sollte, vertrieb sie sich die Zeit im Kino; der Auftritt gegen Mitternacht kam vor entsprechend ausgedünnter Zuschauerzahl mächtig lahm daher. Die Gage betrug fünf Mark.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Setlist — 2 Stücke
  1. Die Maschine lebt (nur der Schluss ist auf dem Band)
  2. Weißes Blut (danach endet der Mitschnitt)

Abgelesen vom Videomitschnitt des Abends, aus dem Bandarchiv; Severin Schöllhammer hat ihn am 11. September 2026 angesehen und mitgeschrieben. Vom Mitschnitt dieses Abends sind nur zwei Stücke erhalten, ab Minute 41:47 des Bandes, auf dem davor Nünchritz steht; beim zweiten bricht die Aufnahme ab. Was sonst gespielt wurde, ist nicht überliefert.

15. September 1995

Jugendklub, Nünchritz (bei Riesa)

Jugendklub, Nünchritz (bei Riesa) · mit LIFE FOR SALE

Aus Bernds Tourbericht

Nünchritz bei Riesa in Sachsen, Jugendklub, etwa 50 Leute, mit Life for Sale. Eine Stadt, die aus einer einzigen Plattenbausiedlung zu bestehen schien; der Klub lag in der Ernst-Thälmann-Straße. „Überhaupt muß mal erwähnt werden, daß in Jugendhäusern im Osten immer auch vegetarisches Essen angeboten wurde, welches nicht aus den obligatorischen Spaghetti mit Tomatensoße bestand.“

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Setlist — 10 Stücke
  1. Angst (die ersten Takte fehlen)
  2. Kompass
  3. Ersetzt
  4. Tanz
  5. Die Maschine lebt
  6. Weißes Blut
  7. Doktor Allwissend
  8. Entre dos lenguas
  9. Poupée de son
  10. Spiritus

Abgelesen vom Videomitschnitt des Abends, aus dem Bandarchiv; Severin Schöllhammer hat ihn am 11. September 2026 angesehen und mitgeschrieben. Der Abend steht zusammen mit dem folgenden in Höfingen auf demselben Band, von Minute 13:38 bis 38:00.

09. September 1995

Jugendhaus Korax, Erfurt

Jugendhaus Korax, Erfurt · mit LIFE FOR SALE

Aus Bernds Tourbericht

Erfurt in Thüringen, Jugendhaus, etwa 100 Leute, mit Life for Sale — der beste Auftritt der Tour. Mittags gab es eine alternativ-politische Stadtführung. Das Jugendhaus lag im thüringischen Regierungsviertel, in direkter Nachbarschaft zum Finanzminister. Während des Konzertes gelang es der Band widererwartend noch einmal alles zu geben, was zum größten Teil auf das Konto des Publikums ging: „Sie entfachten eine Euphorie und Sympathie uns gegenüber, daß man vom typischen Input-Output-Effekt sprechen konnte.“ Drei Jungs fragten danach, was eine CD kosten würde; als ihr zusammengelegtes Geld nicht reichte, bekamen sie sie billiger. Fast die ganze Gage wurde dem Jugendhaus gespendet.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Aus Severins Tourtagebuch

Der Klub Korax in Erfurt: „Sympathischer linker Schuppen, mit idealistisch enthusiastischen Leuten, die ohne staatliche Zuschüsse mitten im Regierungsviertel ihr Ding durchziehen.“ Endlich blieb Zeit für einen Bummel über die Krämerbrücke und zum Dom — die „westlichste Ost-Stadt“, „attraktiver als Stuttgart“. Beim Soundcheck wieder „Wächst gegen Null“. Die Blumen spielten das Vorprogramm, vor „begeistert mitgehendem, wippendem Publikum“. Am Morgen darauf zog die Band Bilanz über die zehn Tage: 27 CDs, 10 EPs, 5 LP-Sampler und eine Kassette verkauft, die Unkosten gedeckt, rund 180 Mark übrig.

Aus dem Tourtagebuch von Severin Schöllhammer, September 1995, Abdruck mit seiner Zustimmung.

08. September 1995

JH, Annaberg-Buchholz

JH, Annaberg-Buchholz · mit BÄD FROX

Aus Bernds Tourbericht

Annaberg-Buchholz im Erzgebirge, Jugendhaus, etwa 100 Leute, mit Bäd Frox. Gut organisiertes Konzert von Thilo. Auf der Fahrt ging es durch tiefe Täler ins Gebirge hinauf, vorbei an grauen Schieferdörfern, die im Nebel gespenstisch wirkten.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Aus Severins Tourtagebuch

Über Chemnitz ins Erzgebirge, ins Jugendhaus von Annaberg-Buchholz, mit Bäd Frox (ex U.A.N.). Das eigene Urteil fiel nüchtern aus: „Nicht gut gespielt, aber gig o.k.“

Aus dem Tourtagebuch von Severin Schöllhammer, September 1995, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Da kommt das hübscheste Mädchen der Welt nach dem Konzert zu dir, blaue Haare, unwiderstehliches Lächeln, strahlt dich an und fragt dich: „Kann ich ein Plektrum von dir haben?“ – vielleicht war das der schönste und glücklichste Moment meiner Bühnen-Laufzeit. Ich schwebte auf Wolke 7 und gab ihr ein Plektrum, obwohl ich für meinen Geschmack nicht mehr so viele davon für die restliche Tour hatte. Noch immer verzaubert von dieser Begegnung schrieb ich ihr wenig später ein Lied, dessen Arbeitstitel ihr Vorname war.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

07. September 1995

Klub der Jugend und Sportler am Puschkinplatz, Gera

Klub der Jugend und Sportler am Puschkinplatz, Gera

Aus Bernds Tourbericht

Gera, Klub der Jugend und Sportler am Puschkinplatz, etwa 30 Leute. Alles mußte in den ersten Stock hochgeschleppt werden. Gespielt wurde im Foyer der großen Halle, die als Backstageraum diente — dort hatten zuvor Gruppen wie Biohazard, Type O Negative und Philipp Boa gespielt. „Dort, wo Philipp Boa spielt, das taugt uns höchstens als Backstage-Bereich.“

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Aus Severins Tourtagebuch

Mit zwei Bussen nach Gera, in den Club der Jugend & Sportler am Puschkinplatz. Anlage wuchten, kleiner Stadtbummel. Beim Soundcheck wurde „Wächst Gen Null“ gespielt, ein Stück, das während dieser Tour entstand. Der Auftritt selbst: „Gut gespielt, keine Leute.“ 70 Mark Gage. Übernachtung im Sportzentrum Ronneburg.

Aus dem Tourtagebuch von Severin Schöllhammer, September 1995, Abdruck mit seiner Zustimmung.

06. September 1995

Bürgerhaus, Schmölln

Bürgerhaus, Schmölln · mit LIFE FOR SALE

Aus Bernds Tourbericht

Schmölln in Sachsen, Bürgerhaus, etwa 100 Leute, mit Life for Sale. Alles sehr nette Leute. An diesem Abend machte die Band ihre ersten Erfahrungen mit dem Osten: die Ansage zu „Weißes Blut“ — „… die Namen der Opfer kennt niemand!“ — wurde mit einigem Unverständnis aufgenommen, da man dort offenbar anders mit der Vergangenheit umgegangen war. Weil die Busbatterie streikte, durfte die Band im Konferenzraum des Bürgerhauses nächtigen.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Aus Severins Tourtagebuch

Die Anfahrt führte an Eisenach vorbei; unterwegs streikte die Busbatterie. Im Konzertraum wollte zunächst der Anglerverein tagen. Etwa 30 bis 40 Gäste kamen. Mit Life for Sale wechselte sich die Band alle drei Lieder ab, die Gage betrug 200 Mark. Übernachtet wurde in einer „Fürstensuite“ mit Fernseher und Bar.

Aus dem Tourtagebuch von Severin Schöllhammer, September 1995, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Glück im Unglück: Einiges lief nicht so gut, aber wir lernten Mandy kennen. Eine hilfsbereite freundliche Künstlerin. Marty und ich besuchten sie später in London.

Über die Ostreise insgesamt — Schmölln am 6., Gera am 7., Annaberg-Buchholz am 8., Erfurt am 9. und Nünchritz am 15. September: Die Konzerte in Ost-Deutschland waren etwas Besonderes. Man darf ja nicht vergessen: Revolution, Wende, Mauerfall, Wiedervereinigung waren erst 5 – 6 Jahre her. Das war alles noch frisch und neu. Wir führten viele Gespräche mit unseren Gastgebern. Sie erzählten uns vom Leben in der DDR, das sie, obwohl sie noch jung waren, noch selbst miterlebt hatten. Wir tauschten Erfahrungen aus. Wir nahmen eine große Aufbruchsstimmung in Ost-Deutschland wahr, eine sehr lebendige und motivierte subkulturelle Musik-Szene, die sich schnell, kreativ und hungrig entwickelte. Das waren äußerst interessante und anregende „Ost-West-Begegnungen.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

04. September 1995

DochDu, Bocholt

DochDu, Bocholt · mit PILGRIM'S NOISE

Aus Bernds Tourbericht

Bocholt, DochDu, etwa 150 Leute, mit Pilgrim’s Noise. Die Anlage vom Tag zuvor stand noch da und konnte nach kurzer Verhandlung mitbenutzt werden. Ein super Konzert, von dem auch ein Livemitschnitt gemacht wurde.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Aus Severins Tourtagebuch

Vor dem Auftritt die Sorge, wegen der Anlage draufzahlen zu müssen. Session im Backstagebereich; die Vorgruppe Pilgrim’s Noise sei „jung und talentiert“. Dann: „Konzert gab Kick! Zwei Zugabenblöcke, Rekordverkaufzahlen“ — und ein DAT-Mitschnitt. „All Flowers Fade“ wurde eigens für einen Freund gespielt.

Aus dem Tourtagebuch von Severin Schöllhammer, September 1995, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Mitschnitt

Der Abend im DochDu, auf zwei Kassettenseiten: sechsundvierzig und achtzehn Minuten. Aufnahmen dieses Konzerts erschienen später zusammen mit denen vom Tipi-Fest auf der Kassette „Friede den Hütten …“.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Bocholt – das war ein gegenseitiges schon kennen und mögen. Wir waren ja nicht zum ersten Mal hier. Die Partys hier hatten immer was hedonistisch-großartiges. Auch dieses Mal. Ich glaube, es war auch in Bocholt, dass wir uns Nachschub an „kleiner Feigling“ kauften, unser Lieblings-Tour- Getränk, weil es uns ausgegangen war. Eine große Flasche.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 19 Stücke · Severin, Marty, Arno, Bernd
  1. Angst
  2. Krieg der Plakatkleber
  3. All Flowers Fade
  4. Improvisation (im Konzert gespielt: eine Improvisation von Bernd an der Gitarre, um eine Panne zu überbrücken)
  5. Kompass
  6. Wilde bunte Kinder
  7. Ersetzt
  8. No lloraré
  9. Tanz
  10. Die Maschine lebt!
  11. Doktor Allwissend
  12. Weißes Blut
  13. Entre dos lenguas
  14. Meister des Zufalls
  15. Kein Tag ohne Revolution
  16. Poupée de son
  17. Spiritus
  18. Krieg der Plakatkleber
  19. Kein Tag ohne Revolution

Handbeschrifteter Kassetteneinleger aus dem Bandarchiv (Fuji K2). Die letzten fünf Stücke stehen dort auf der zweiten Kassettenseite; Severins Tourtagebuch spricht für diesen Abend von zwei Zugabenblöcken.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 2 Aufnahmen →

02. September 1995

Pumuckel, Lünen (Dortmund)

Pumuckel, Lünen (Dortmund)

Aus Bernds Tourbericht

Lünen bei Dortmund, Pumuckel, etwa 40 Leute. Der lokale Kontaktmann „Löckchen“ hatte auf die Schnelle noch so etwas wie eine Anlage besorgt. Die Wirtin wußte überdies nichts von den Konzertabsichten, ließ dann aber unter der Bedingung, das Programm in zwei Teilen zu spielen, mit sich reden. Beim Soundcheck lief auf einmal die neue Loonatikk-CD, und Bernd jamte ein wenig mit, ohne daß Löckchen wußte, daß er bei Loonatikk gespielt hatte.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Aus Severins Tourtagebuch

Life for Sale sagen endgültig ab — Buspanne und verlorener Führerschein —, womit das Konzert am Abend in Frage steht. In Lünen haben Löckchen und Wolle eine Gesangsanlage organisiert. Gespielt wird ein auf zwei Teile gestrecktes Set: „Kaum Leute, leider.“ Vorher entstehen im Bus zwei neue Stücke.

Aus dem Tourtagebuch von Severin Schöllhammer, September 1995, Abdruck mit seiner Zustimmung.

01. September 1995

Mezzogiorno, Essen

Mezzogiorno, Essen · mit SCHWARZWURZ

Aus Bernds Tourbericht

Essen, Mezzogiorno, ein deutsch-ausländischer Jugendclub, etwa 80 Leute. Der erste Auftritt der Tour wäre beinahe ins Wasser gefallen: kurz nach dem Start in Neuffen fragte Bernd spaßeshalber, ob Severin seinen Verstärker dabei habe. Hatte er nicht. Also umgedreht und den Verstärker geholt. Danach ging es nach Leonberg zu Arno, von dem niemand wußte, ob er noch an die Tour gedacht hatte — zur Generalprobe war er nicht erschienen. Hier fand auch der erste Auftritt in Abendgarderobe statt. Der Chef von Gorkon Records sah die Band und wollte sofort ein Tape in Hamburg herausbringen.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Aus Severins Tourtagebuch

Tourbeginn um 11:30 Uhr: Bernd kommt mit dem beladenen MB 100, es geht nach Leonberg zu Arno — auf halber Strecke fällt auf, daß der Baßverstärker fehlt, also wieder zurück. Marty fährt die ersten viereinhalb Stunden, dann Bernd; Ankunft in Essen gegen 19:30 Uhr. Life for Sale, die die Anlage mitbringen sollten, sind nicht da; die Anlage wird notdürftig zusammengebastelt und ohne Playlist gespielt. Als Anheizer traten Schwarzwurz und Bär & Co auf. „Erster Auftritt mit Anzug, Krawatte & Ballkleid!!“ Kontakte wurden geknüpft, unter anderem zu einem Hamburger Fanzinemacher.

Aus dem Tourtagebuch von Severin Schöllhammer, September 1995, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Ich glaube, es war bei diesem Konzert, dass jemand, der mich nur von Brieffreundschaft als Schriftsteller und Poeten kannte, enttäuscht war, „wie harmlos“ ich in echt aussehe. Ein anderer Brieffreund war da, den ich mit einem nochmal anderen verwechselte. Zum Konzert selbst weiß ich nur, dass Bernd sich dafür eingesetzt hatte, das wir wegen des französischen Atombombentests ein Statement abgeben würden. „Fuck, fuck, fuck Chirac“ wurde es dann. Bei dem Konzert sah und hörte unser Alexander Pohle zum ersten Mal und er filmte uns, bis das Band voll war. Seine Begeisterung für uns hielt an. Ich glaube, Jahre später war er es, der den Kontakt mit Fliehende Stürme herstellte.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 4 Stücke · Marty (Gesang), Severin (Baß), Bernd (Gitarre), Arno (Schlagzeug)
  1. Angst (nur der Schluss ist auf dem Band)
  2. Krieg der Plakatkleber
  3. Meister des Zufalls
  4. Kein Tag ohne Revolution (nur der Anfang ist auf dem Band)

Umschlag der Videokassette mit dem Mitschnitt, aus dem Bandarchiv. Der Mitschnitt ist unvollständig — die vier Titel sind, was das Band festhält, nicht der ganze Abend. Kamera: Alexander Pohle. Severin Schöllhammer hat das Band am 11. September 2026 angesehen: vom ersten Stück ist nur der Schluss erhalten, vom letzten nur der Anfang.

Gefilmt an diesem Abend

15. Juli 1995

Eikhorn, Schwäbisch Hall

Eikhorn, Schwäbisch Hall · mit MONKEY PUZZLE TREE, NO SPORTS, ...

Anmerkung der Chronik: Open Air

Aus Bernds Tourbericht

Schwäbisch Hall, Ruine Einkhorn, Sonnenhof-Zivifestival, mit No Sports, Chamoux, Monkey Puzzle Tree und anderen. „Tolle Kulisse und 1000! Besucher waren für uns die Feuerprobe für die anstehende Tour.“

Bernd Mall datiert diesen Abend im Tourbericht auf den 22. Juni 1995. Der 15. Juli ist jedoch unabhängig belegt: Severin Schöllhammer spielte am selben Tag einige Stunden früher als Aushilfsbassist bei It Can Swim auf dem Seefest in Stuttgart-Rohr, und die Hülle des Livemitschnitts jenes Auftritts trägt handschriftlich „IT CAN SWIM 15.7.95 — Stuttgart-Rohr / Seefest“.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Wir sprachen uns bei Konzerten ab, wer Alkohol trinken durfte und wer fahren musste. An jenem Abend war ich Fahrer. Nächtliche Heimreise. Zutiefst erschöpft und müde – es war mein einziger Tag mit zwei Konzer-Terminen – erkannte ich irgendwo auf der Autobahn, dass mir die Augen fast schon zufielen. Weiterfahrt nicht möglich. Wir pennten im Auto an einem Rastplatz.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

04. Juni 1995

M.J.C., Rambouillet

M.J.C., Rambouillet · mit DIRTY FRANK, FREEWAY, D’ELIT D’INITIE

Aus Bernds Tourbericht

Paris/Rambouillet, M.J.C., etwa 200 Leute, mit Dirty Frank, Freeway und D’elit D’Initie. Roadmanager waren Hans und Michael. Samstagnachmittag Stadtführung in Paris, unser Konzert fand am Sonntagnachmittag um 16 Uhr statt. Trotzdem ein unglaublicher Erfolg. Erster Auftritt mit Bernd.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Mitschnitt

Dreißig Minuten aus dem M.J.C. in Rambouillet, dem ersten Auftritt mit Bernd Mall an der Gitarre — und dem einzigen Konzert der Band im Ausland, von dem ein Mitschnitt erhalten ist.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Nachtrag zur Besetzung

Der Einleger nennt vorne die Besetzung „Marty, Arno, Bernd, Severin“ und auf der Rückseite den 9. Juni 1995 als „1. Probe mit Bernd“ — beides in derselben Handschrift. Ein Widerspruch ist das nicht: Bernd war in Frankreich dabei. „Er war ein guter Musiker und konnte vermutlich mit der Band ein Konzert geben noch vor der ersten Probe.“ Die Probe am 9. Juni war die erste im Leonberger Proberaum.

Auskunft von Sven Schöllhammer über Signal, 4. September 2026.

Der Ort: zwei Namen, ein Haus

Bernd Malls Tourbericht nennt den Veranstaltungsort „M.J.C.“, die beiden Plakate desselben Abends nennen ihn „L’Usine à Chapeaux“. Severin Schöllhammer erinnerte beide Namen als gleichbedeutend, hatte dafür aber keinen Beleg. Die zwei Blätter sind er: dieselbe Nacht, dieselbe Band, zwei unabhängig entstandene Quellen, zwei Namen. Das Haus gibt es noch — die Stadt Rambouillet führt es in ihrem Verzeichnis als „L’Usine à Chapeaux – MJC“, 32 rue Gambetta, und es ist heute eine vom französischen Kulturministerium ausgezeichnete Bühne für zeitgenössische Musik.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Das war insgesamt ein sehr schönes Wochenende in Frankreich. Bestmögliche Gastfreundschaft, Kennenlernen, Party, zusammen Spaß haben. Auf der Hin- oder Rückfahrt kamen wir mit dem Bus an Verdun vorbei, glaube ich, und Bernd fand es sehr rührend und Mut machend, dass Jahrzehnte nach den Gräueln des Krieges so freundschaftliche Städtepartnerschaften mit gegenseitigen Besuchen möglich sind, so ein friedliches Zusammensein. Offen gestanden bin ich gar nicht mehr sicher, ob Bernd mit der Band geprobt hatte vor dem Konzert. Aber er war ein prächtiger und gut geübter Gitarrist und meisterte sein erstes Konzert mit uns mit Bravour.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 9 Stücke · Marty, Arno, Bernd, Severin
  1. Doktor Allwissend
  2. Ersetzt
  3. Meister des Zufalls
  4. No lloraré
  5. Wilde bunte Kinder
  6. 1000 bunte Tage
  7. Kein Tag ohne Revolution
  8. Du sang blanc
  9. Weißes Blut

Handbeschrifteter Kassetteneinleger aus dem Bandarchiv (Fuji K2), beschriftet „Rambouillet (La France) 4 Juin 1995“.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 1 Aufnahme →

13. Mai 1995

JZ Öhringen, Öhringen

JZ Öhringen, Öhringen · mit RIMINI PIRANHAS

Beleg

Belegt durch den Flyer: „13.5.95, 19:00, JZ Öhringen“, Die Blumen des Bösen mit den Rimini Piranhas. Von dem Abend existiert außerdem ein Videomitschnitt; die Hülle der VHS-C-Kassette ist beschriftet mit „Blumen des Bösen — Live Öhringen — 13. Mai ’95“.

Abweichende Datierungen

Belegt ist der 13. Mai gleich dreifach und jedes Mal aus der Zeit selbst: durch den Flyer, durch die Beschriftung der Videokassette („Blumen des Bösen — Live Öhringen — 13. Mai ’95“) und durch eine handschriftliche Gagenliste der Band, die für diesen Abend 233 Mark und die Rimini Piranhas nennt. Die später geschriebene Konzertliste der Band nennt den 12. Mai, der Tourbericht von Bernd Mall den 20. Mai — beide dürften sich irren.

Aus Bernds Tourbericht

Öhringen, Jugendhaus, etwa 80 Menschen. Abschiedsgig von Martin und zugleich CD-Präsentationsparty. Bernd singt bei „Ersetzt“. Dabei waren die Rimini Piranhas.

Aus dem Tourbericht von Bernd Mall über die Tour „Übermut werde Spaten“ 1995/96, Abdruck mit seiner Zustimmung.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 233 Mark.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Was für ein emotional aufgeladener Tag und Abend. Mir ging es sehr zu Herzen, dass Martin, mein Freund und Weggefährte seit unserer ersten gemeinsamen Band im Jahre '84, sein Abschiedskonzert mit uns gab. Stolz und Freude über die Tags zuvor gekommene erste eigene CD waren auch da, klar. Aber die Traurigkeit überwog. Es war wenigstens eine würdiger Abschied. Wir spielten gut. Bernd, Martins Nachfolger, war bei einigen Liedern zu Gast auf der Bühne. Wir spielten zum ersten und einzigen Mal live unsere Cover-Version von dem Loonatikk-Songs-Medley, „Keiner weiß“. Unvergesslicher Abend. Eine Zäsur. Es gab ein Vorher und ein Nachher.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 14 Stücke
  1. Angst
  2. Doktor Allwissend (angekündigt und vom Schlagzeuger angezählt)
  3. Tanz
  4. Die Maschine lebt
  5. Entre dos lenguas (mit Bernd Mall als Gast)
  6. Meister des Zufalls (mit Bernd Mall als Gast)
  7. Betrug
  8. Tausend bunte Tage
  9. Den Pandoras verfallen
  10. Verzeihung, …
  11. Ersetzt (mit Bernd Mall als Gast)
  12. Keiner weiß … (ab Minute 33:24 des Mitschnitts)
  13. Weißes Blut
  14. Spiritus (Zugabe; der Schluss fehlt auf dem Band)

Abgelesen vom Videomitschnitt des Abends, aus dem Bandarchiv; Severin Schöllhammer hat ihn am 11. September 2026 angesehen und mitgeschrieben. Es war Martin Ullmanns Abschiedskonzert und zugleich die Premiere der CD; auf der Bühne bekam er einen Rahmen mit Fotos aus der gemeinsamen Zeit. Bernd Mall spielte als Gast mit — fünf Wochen bevor er die Gitarre fest übernahm. **Der Mitschnitt ist lückenhaft**: er bricht mehrfach ab und setzt wieder ein. Zwischen „Verzeihung, …“ und „Ersetzt“ zählt der Schlagzeuger ein weiteres Stück an, dann fehlt ein Stück Aufnahme; welches es war, ist nicht zu erkennen, und es steht deshalb nicht in der Liste. Sven ist sicher, dass insgesamt zwei Stücke gespielt wurden, die das Band nicht festhält. Die Liste ist also eine Untergrenze.

01. April 1995

Linde, Kirchheim

Linde, Kirchheim · mit BIG LIGHT

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 200 Mark.

1994

29. Oktober 1994

Pannemann, Bocholt

Pannemann, Bocholt · mit SKYTHIAM, SPUNK

Aus der Bandchronik

„Konzert im Pannemann in Bocholt, mit Skythiam und Spunk. Ein Triumph!! Für 105 DM Produkte verhökert und Lob, Lob, Lob.“ Ein Abstecher in die Niederlande und eine Party schlossen sich an.

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 200 Mark.

Mitschnitt

Dreiundvierzig Minuten aus dem Pannemann in Bocholt — laut Bandchronik „ein Triumph“. Die Zuordnung des Bandes zu diesem Abend gilt als wahrscheinlich, nicht als gesichert.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Setlist — 14 Stücke
  1. Angst
  2. Blumen des Bösen
  3. Spiritus
  4. Ersetzt
  5. Die Maschine lebt!
  6. Wilde bunte Kinder
  7. All Flowers Fade
  8. Doktor Allwissend
  9. No lloraré
  10. Verzeihung, …
  11. 1000 bunte Tage
  12. Den Pandoras verfallen
  13. Geraubt durch die Zeit
  14. Kein Tag ohne Revolution

Handbeschrifteter Kassetteneinleger aus dem Bandarchiv (Maxell XLII 90), beschriftet „1101 km. VW Passat“.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 2 Aufnahmen →

22. Oktober 1994

JuZe, Öhringen

JuZe, Öhringen · mit MONKEY PUZZLE TREE, EINLEBEN

Aus der Bandchronik

„Abermals im JuZe Öhringen, mit Monkey Puzzle Tree und Einleben. Leistung mäßig, Resonanz gigantisch.“ Die Nacht wurde quasi durchgefeiert.

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 120 Mark.

Mitschnitt

Zweiundvierzig Minuten aus dem Öhringer Jugendzentrum, dazu vier einzeln herausgeschnittene Stücke.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Setlist — 12 Stücke
  1. Angst
  2. Blumen
  3. Spiritus
  4. Die Maschine lebt!
  5. Wilde bunte Kinder
  6. Verzeihung, …
  7. 1000 bunte Tage
  8. Den Pandoras verfallen
  9. Kein Tag ohne Revolution
  10. Geraubt durch die Zeit
  11. Meister des Zufalls (alter Text)
  12. Doktor Allwissend

Handbeschrifteter Kassetteneinleger aus dem Bandarchiv (Sony UX Pro), dort vermerkt „Alle Aufnahmen mit Martin“. Am 4. September 2026 vollständig neu eingescannt: die Liste endet mit „Doktor Allwissend“ am unteren Rand des Einlegers.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 5 Aufnahmen →

23. September 1994

Linde, Kirchheim

Linde, Kirchheim

Aus der Bandchronik

„Wir beehren die Linde/Kirchheim. Vorzüglicher Service. Den Leuten gefällt’s.“

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 100 Mark.

Aus der Presse

Ein Kellerkonzert im Jugendhaus Linde, bei freiem Eintritt, Beginn 21 Uhr, im Rahmen einer Reihe mit Bands aus der Region. Die Ankündigung hebt neben den Texten die Instrumentierung hervor: neben Baß, Schlagzeug und Gitarre auch Schetter und Querflöte. Sie ist zugleich der früheste Beleg dafür, dass der Bandname auf Baudelaires Buch zurückgeht.

Zum Datum gibt es eine Unstimmigkeit: die Chronik führt den 23. September, der handschriftliche Vermerk auf dem Ausschnitt nennt den Teckboten vom 24. September. Da die Ankündigung von „heute abend“ spricht, könnte der Abend einen Tag später gewesen sein. Ungeklärt.

Severin Schöllhammer hält es für möglich, dass seine handschriftliche Datierung auf dem Zeitungsausschnitt um einen Tag danebenliegt. Die Frage bleibt damit offen.

Der Terminkalender der Band trägt den Abend auf dem Freitag, dem 23. September, ein: „Linde / Kirchheim“. Damit ist die Frage entschieden — der Zeitungsausschnitt mit der Ankündigung erschien einen Tag später als hier notiert, oder der handschriftliche Vermerk darauf nennt das Datum des Blattes statt des Abends.

07. Juni 1994

LTT, Tübingen

LTT, Tübingen · mit LOONATIKK

Aus der Bandchronik

Im LTT in Tübingen. „Soz-Päds ohne Durchblick, Kindergarten, weder Essen, noch Trinken. Aber wir erleben erstmals Loonatikk komplett!“

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 200 Mark.

Mitschnitt

Die erste Kassettenseite hält den Auftritt im LTT über siebenundvierzig Minuten fest. Von der zweiten Seite gehört nur das erste Stück dazu, „Seifenblasen“; danach folgen Proberaumaufnahmen, die mit dem Abend nichts zu tun haben.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Wie es dazu kam

Im Programm des Festivals stand der Auftritt nicht. Das Landestheater veranstaltete vom 5. bis 10. Juni 1994 das 3. Tübinger Schultheatertreffen unter dem Titel „Experimente wagen“; der 7. Juni war dort ein reiner Workshop-Tag. Das Konzert kam kurzfristig zustande, vermittelt von Hans Siebers, der damals im Epplehaus arbeitete und die Band kannte. Das Programmheft liegt als Scan vor — es belegt gerade dadurch etwas, dass es die Blumen des Bösen nicht nennt.

Nach Severin Schöllhammer, 5. September 2026.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Hans Siebert vom Epplehaus hatte uns – in bester Absicht – das Konzert vermittelt. Weder er noch wir ahnten, dass die Veranstalter ein abendfüllendes Programm erwarteten. Wir spielten was wir hatten, wiederholten ein bisschen und fühlten uns ziemlich veräppelt. Tröstend war, dass unsere Freunde von Loonatikk da waren. Sie spielten auch ein oder mehrere Lieder, spontan, weil sie da waren und wir ja ein langes Programm bieten sollten. Unvergesslich blieb mir ein Dialog von Winnie und Frank von Loonatikk über die höhere Getränkepreise als z. B. im Epplehaus: „Ha die hänn hier koine Punk-Preise“. Das klang so herrlich authentisch. Schöne Erinnerung.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 14 Stücke
  1. Tanz
  2. Die Maschine lebt!
  3. Spiritus
  4. Ersetzt
  5. Den Pandoras verfallen
  6. Loonatikk (kein Stück der Band, sondern die Band Loonatikk)
  7. 1000 bunte Tage
  8. Verzeihung, …
  9. All Flowers Fade
  10. Angst
  11. Para ti
  12. Betrug
  13. Kein Tag ohne Revolution
  14. Seifenblasen

Kassetteneinleger aus dem Bandarchiv (TDK SA60, als „Master“ gekennzeichnet). Die dort abgekürzten Titel sind ausgeschrieben.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 2 Aufnahmen →

18. Mai 1994

Epplehaus, Tübingen

Aus der Bandchronik

Vermittelt durch Hans Siebert gastierte die Band im Epplehaus in Tübingen. „Ein famoser Auftritt! Zugabe um Zugabe.“ Eine Besprechung hielt fest, dass drei Zugabenblöcke gespielt wurden, bevor mangels Songmaterial die Instrumente beiseitegelegt werden mußten.

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 70 Mark.

Am Mischpult stand an diesem Abend Gerri. Gernot Rothhaar, ein alter Freund von Martin Ullmann und Severin Schöllhammer, arbeitete einige Jahre im Epplehaus und war nach eigener Aussage für den Ton verantwortlich. Derselbe Gerri schrieb später den Text über die Band auf der Rückseite der Livekassette „umsonst + drinnen“.

Nach Severin Schöllhammer, 12. September 2026.

In der Presse

  • Kaktus · Konzertbericht →„Wann gab es das zum letzten Mal im Epplehaus, daß eine Band drei Zugabenblöcke spielen mußte, bevor sie mangels Songmaterial die Instrumente beiseite legen mußten.“
05. März 1994

JuZe, Öhringen

JuZe, Öhringen · mit MONKEY PUZZLE TREE, LOONATIKK, EMETIC

Aus der Bandchronik

Arno hatte Geburtstag, und die Band trat im Öhringer JuZe auf, gemeinsam mit Monkey Puzzle Tree, Loonatikk und Emetic. „Ein erster kleiner Triumph. Arno spielt im Rock, Marty im Ballkleid und Sev und Mart in Anzug und Krawatte.“

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 150 Mark.

Mitschnitt

Der ganze Abend im Öhringer Jugendzentrum, siebenundvierzig Minuten. Zwei Stücke sind zusätzlich einzeln herausgeschnitten — darunter „Cambiar la historia“, das sonst nirgends überliefert ist.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Severin Schöllhammer erinnert sich

In Öhringen haben wir öfter gespielt. Es war immer wie heim kommen. Ob beim ersten Mal oder spätere Male. Wir waren unter Freunden und wurden herzlich empfangen. Die drei Jungs von Monkey Puzzle Tree waren alle liebenswert. Eigentlich alle aus dem Jugendhaus. Wir fühlten uns wohl und willkommen. Und Bardame Sabrina brachte mein Herz zum schlagen. Hiermit sei's gestanden.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 13 Stücke · Marty (Gesang, Querflöte, „Schetter“), Martin (Gitarre, Baß), Severin (Baß, Gitarre, Gesang), Arno (Schlagzeug)
  1. Tanz
  2. Die Maschine lebt!
  3. Spiritus
  4. All Flowers Fade
  5. Ersetzt
  6. Den Pandoras verfallen
  7. Angst
  8. Verzeihung, …
  9. 1000 bunte Tage
  10. Cambiar la historia
  11. Kein Tag ohne Revolution
  12. Geraubt durch die Zeit
  13. Three imaginary boys don’t cry (auf dem Videoumschlag genannt, auf dem Band nicht zu finden)

Handbeschrifteter Kassetteneinleger aus dem Bandarchiv (Maxell XL II-S 90) und der Umschlag der Videokassette vom selben Abend. Der Videoumschlag nennt dieselben zwölf Titel in derselben Folge und einen dreizehnten, den keine andere Quelle kennt: „Three imaginary boys don’t cry“ — der Titel setzt zwei Stücke von The Cure zusammen; was tatsächlich gespielt wurde, ist ungeklärt. Von demselben Abend liegen zwei Programmblätter vor, die an neunter und zehnter Stelle „Tausend Bunte Tage“ und „Para Ti“ schreiben, wo Einleger und Videoumschlag „1000 bunte Tage“ und „Cambiar la historia“ nennen. Es sind dieselben zwei Stücke: nach Auskunft der Band sind „1000 bunte Tage“ und „Tausend bunte Tage“ identisch, „Cambiar la historia“ und „Para ti“ musikalisch ebenfalls — Text und Titel standen damals noch nicht fest. Die Liste folgt den beiden Tonträgern, weil sie den Mitschnitt beschreiben. — Severin Schöllhammer hat die Videokassette am 11. September 2026 angesehen: „Von ‚Three imaginary boys don’t cry‘ dort keine Spur.“ Der Titel steht also auf dem Umschlag, das Stück ist auf dem Band nicht zu finden. Er vermutet entweder einen Scherz bei der Beschriftung oder eine geplante und nicht zustande gekommene Fassung von „No lloraré“, der Coverversion von „Boys Don’t Cry“ — aus den Jungen wären dann imaginäre geworden. Beides ist Vermutung.

Der ganze Abend als Mitschnitt: 3 Aufnahmen →

1993

04. Dezember 1993

Fahrenheit 451, Mönchengladbach

Fahrenheit 451, Mönchengladbach · mit ESKALIERENDE VERNUNFT

Aus der Bandchronik

Tags darauf im Fahrenheit 431 in Mönchengladbach, mit Eskalierende Vernunft. „EA 80 sitzen im Publikum und Hals Maul kauft unsere E.P.!!! Feines Wochenende.“

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 150 Mark.

Im Rückblick

Wie sich die ersten Konzerte außerhalb des eigenen Bundeslands anfühlten, hat Severin Schöllhammer 2026 beschrieben: „Abenteuer und Fortschritt. Als ob man die eigene kleine Welt verlässt und sich die große Welt da draußen erschließt. Wir waren stolz und hatten viel Spaß. Ganz besonders stolz war ich, dass ein Mitglied von EA 80 eine Platte von uns kaufte, da ich EA 80 sehr mochte und sie auch so was wie mein textliches und musikalisches Vorbild waren.“

Nach Severin Schöllhammer, 5. September 2026.

Setlist — 11 Stücke
  1. Tanz (auf dem Blatt „Engl. Tanz“)
  2. Die Maschine lebt (auf dem Blatt „Maschine“)
  3. Spiritus
  4. All Flowers Fade
  5. Ersetzt
  6. Para ti
  7. Raum
  8. Verzeihung, …
  9. Kein Tag ohne Revolution (auf dem Blatt „Revolution“)
  10. Tausend bunte Tage
  11. Angst

Die Zuordnung zu diesem Abend ist eine Datierung aus Deduktion — auf dem Blatt selbst steht kein Datum. Ein handschriftliches Blatt aus dem Bandarchiv, dessen rechte untere Ecke herausgerissen ist. Severin Schöllhammer hat es am 11. September 2026 dem Konzertwochenende vom 3. und 4. Dezember 1993 zugeordnet — Mönchengladbach und Wassenberg. Es ist ein einziges Blatt für beide Abende; welcher der beiden es war, sagt es nicht, und es steht deshalb bei beiden. Die Zuordnung stützt sich auf „Angst“, das allein auf diesem Blatt steht und im Herbst 1993 ins Programm kam, sowie auf „Raum“, das spätestens 1993 herausfiel. Zehn der elf Stücke stehen drei Monate später auch auf der Setlist von Öhringen, die ersten fünf sogar in derselben Reihenfolge. Zwei Titel stehen abgekürzt und sind auf die anderswo belegte Schreibweise gebracht.

03. Dezember 1993

Wassenberg

Wassenberg · mit EINLEBEN

Aus der Bandchronik

Live in Wassenberg, im Vorprogramm von Einleben. „Wir werden wie Könige behandelt und das anschließende Fest ist brilliant.“ Die örtliche Zeitung kündigte den Abend als zweiten Rockabend im Jugendcafé Kirchstraße an und zitierte die Band mit der Eigenbezeichnung „depressiver Punk-Rock“.

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 215 Mark.

Aus der Presse

Der zweite Rockabend im Jugendcafé in der Kirchstraße 30, Beginn 19.30 Uhr. Eingeladen hatte die hiesige Band „Einleben“, die selbst mit fünf Mitgliedern auftrat.

Die Ankündigung nennt eine dreiköpfige Besetzung — Querflöte und Gesang, Baß, Gitarre — und überliefert nebenbei, wie die Band ihre Musik damals selbst nannte: „depressiven Punk-Rock“.

Setlist — 11 Stücke
  1. Tanz (auf dem Blatt „Engl. Tanz“)
  2. Die Maschine lebt (auf dem Blatt „Maschine“)
  3. Spiritus
  4. All Flowers Fade
  5. Ersetzt
  6. Para ti
  7. Raum
  8. Verzeihung, …
  9. Kein Tag ohne Revolution (auf dem Blatt „Revolution“)
  10. Tausend bunte Tage
  11. Angst

Die Zuordnung zu diesem Abend ist eine Datierung aus Deduktion — auf dem Blatt selbst steht kein Datum. Ein handschriftliches Blatt aus dem Bandarchiv, dessen rechte untere Ecke herausgerissen ist. Severin Schöllhammer hat es am 11. September 2026 dem Konzertwochenende vom 3. und 4. Dezember 1993 zugeordnet — Wassenberg und Mönchengladbach. Es ist ein einziges Blatt für beide Abende; welcher der beiden es war, sagt es nicht, und es steht deshalb bei beiden. Die Zuordnung stützt sich auf „Angst“, das allein auf diesem Blatt steht und im Herbst 1993 ins Programm kam, sowie auf „Raum“, das spätestens 1993 herausfiel. Zehn der elf Stücke stehen drei Monate später auch auf der Setlist von Öhringen, die ersten fünf sogar in derselben Reihenfolge. Zwei Titel stehen abgekürzt und sind auf die anderswo belegte Schreibweise gebracht.

06. November 1993

JH, Blaubeuren

JH, Blaubeuren · mit LOONATIKK

Aus der Bandchronik

„Wir spielen in Blaubeuren vor finsteren Rockern und Haudegen.“ Loonatikk waren auch dabei — die Band durfte sich sogar in deren Proberaum auf den Auftritt vorbereiten.

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 190 Mark.

Setlist — 11 Stücke
  1. Tanz (auf dem Blatt „Engl. Tanz“)
  2. Die Maschine lebt (auf dem Blatt „Die Maschine“)
  3. Spiritus
  4. All Flowers Fade
  5. Ersetzt
  6. Raum
  7. Den Pandoras verfallen
  8. Minnelied
  9. Tausend bunte Tage
  10. Verzeihung, …
  11. Kein Tag ohne Revolution (auf dem Blatt „Kein Tag ohne“)

Die Zuordnung zu diesem Abend ist eine Datierung aus Deduktion — auf dem Blatt selbst steht kein Datum. Zwei handschriftliche Blätter aus dem Bandarchiv, Stück für Stück identisch — die Band schrieb pro Konzert mehrere Listen, damit jeder hineinsehen konnte; eines trägt zusätzlich die Überschrift „Die Blumen des Bösen“. Severin Schöllhammer hat sie am 11. September 2026 diesem Abend zugeordnet: sie nennen „Englischer Tanz“, das erst im Januar 1993 ins Programm kam, und „Raum“, das spätestens 1993 wieder herausfiel — also die Zeit mit Eddie Stehblau am Schlagzeug. Von deren fünf Abenden haben drei keine überlieferte Setlist, und die beiden Dezembertermine scheiden aus, weil dort „Angst“ im Programm war, das auf diesen Blättern fehlt. Zwei Titel stehen abgekürzt und sind auf die anderswo belegte Schreibweise gebracht.

03. Juli 1993

JuZe, Nagold

JuZe, Nagold

Aus der Bandchronik

Gastspiel im JuZe Nagold, Martys Heimatstadt — „unser bis dahin Bestes: wir sind gut und selbstbewußt und kommen gut an.“ Es gab ein Videointerview; die Freigetränke waren zu wenig.

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 30 Mark.

Aus der Presse

Ein Wettbewerb: neun Nachwuchsbands, zwanzig Minuten pro Gruppe, eigene Stücke Bedingung, eine Jury bewertete Musikalität, Ausdruck, Originalität und Darstellung mit Noten von eins bis zehn. Weil sich zu viele beworben hatten, wählte die Musik-AG des Jugendzentrums die Teilnehmer vorab nach eingeschickten Demokassetten aus. Das Programm dauerte viereinhalb Stunden, die Preisverleihung war gegen Mitternacht.

Gewonnen hat die Nagolder Band „Cartilage“ vor „Quality doesn’t matter“ aus Freudenstadt und „Corrode“ aus Calw. Wo die Blumen des Bösen landeten, steht nicht im Bericht. Erhalten ist von diesem Abend aber ein Bild: die Zeitung druckte ein Foto der Band mit der Unterschrift „Ungewöhnlich: Querflötenspiel der Blumen des Bösen“.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Kontakte geknüpft: Wir lernten an dem Tag/Abend Hans Siebert kennen, der uns mochte und sich an uns erinnerte, als er später beim Epplehaus in Tübingen arbeitete. Wir waren enttäuscht, dass wir keinen besseren Platz gemacht hatten bei dem band-Wettbewerb, wir hatten uns wirklich Mühe gegeben und waren zufrieden mit uns.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 7 Stücke · Marty González Martín (Gesang, Querflöte), Martin Ullmann (Gitarre), Severin Schöllhammer (Baß), Eddie Stehblau (Schlagzeug)
  1. Tanz
  2. Die Maschine lebt!
  3. Spiritus
  4. All flowers fade
  5. Verzeihung, …
  6. Ersetzt
  7. Tausend bunte Tage

Selbstgestalteter Umschlag der Videokassette mit dem Mitschnitt, aus dem Bandarchiv. Er nennt den Anlass — „Battle of the Bands“ — und setzt vor das erste Lied ein „Interview“: das Gespräch mit Hans Siebert, dem damaligen Leiter des Jugendzentrums. Es ist damit das früheste bekannte Interview der Band.

In der Presse

19. Juni 1993

Fußgängerzone, Reutlingen

Fußgängerzone, Reutlingen · mit LOONATIKK

Anmerkung der Chronik: Stadtfest

Aus der Bandchronik

Auftritt beim Stadtfest in der Reutlinger Fußgängerzone. „Wir werden zwar wieder beschissen, lernen aber Loonatikk kennen und auch Martin vom Kaktus-Fanzine.“ Es war zugleich das einzige Auftreten mit Roman als zweitem Gitarristen. Der Mitschnitt von „Kein Tag ohne Revolution“ kam später auf einen der Tapesampler.

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: keine Gage.

Mitschnitt

Von diesem Abend gibt es den ältesten bekannten Tonmitschnitt der Band überhaupt: fünfunddreißig Minuten vom Stadtfest in der Reutlinger Fußgängerzone.

Aus dem Bandarchiv, Abdruck mit Zustimmung.

Aus der Presse

Der Auftritt gehörte zum Reutlinger Stadtfest. Auf der Bühne vor dem „Haus der Jugend“ spielten an diesem Samstag neun Stunden lang Bands im Stundentakt; die Blumen des Bösen waren um 19 Uhr an der Reihe, zwischen „Always Ultra“ und „Casket“. Weiter traten dort „City Lions“, „Oberlinkids“, „Zufall“, „Gaseier“, „Comic Breaker“, „Dampf“, „Butcher’s Child“ und „Blueskraft“ auf.

Das Datum stand lange nur handschriftlich auf einem Kassetteneinleger, dort von Mai auf Juni korrigiert. Die Zeitung bestätigt es: sie erschien an einem Freitag, kündigte den Stadtfestsamstag für „morgen“ an und datiert sich selbst über einen Musiker, der an diesem Tag „seit 20 Jahren und einem Tag“ auf der Bühne stehe — sein erster Auftritt war der 18. Juni 1973.

Severin Schöllhammer hat die Datierung 2026 noch einmal bestätigt und einen Grund genannt, sie zu behalten: der 19. Juni 1993 war der Geburtstag von Martin „Kaktus“ Roeder, der die Band an diesem Tag zum ersten Mal persönlich traf und sechs Jahre später ihr Sänger wurde.

Aus Kaktus’ Erinnerung

Denselben Abend beschreibt Martin „Kaktus“ Roeder — in der Bandchronik oben nur „Martin vom Kaktus-Fanzine“ — aus seiner Sicht:

„Ich habe von den Blumen erstmals in einem Fanzine gelesen und habe mir daraufhin die EP bestellt, weil ich sie in meinem Kaktus-Fanzine besprechen wollte. Das war wohl irgendwann im Frühjahr 1993. Es ergab sich dann, vielleicht kann Sven nochmal die Umstände aufhellen, dass die Blumen des Bösen am 19. Juni 1993 ein Konzert im Rahmen des Stadtfests in Reutlingen gespielt haben, und da mir die Single gefallen hatte, wollte ich mir die Band gerne live anschauen. Das Konzert damals hat mir sehr gefallen und ich habe nach dem Konzert meinen Mut zusammengenommen und die Band angesprochen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Über den Herbst 1993 hat sich eine ‚Geschäftsbeziehung‘ entwickelt und ich habe mich dann dazu entschlossen, ein Interview mit der Band im Kaktus-Fanzine zu veröffentlichen.

„Mittlerweile hatte ich auch das 1. Demo der Band gehört und war davon ebenfalls angetan. Meine Lieblingsstücke zu der Zeit waren ‚Kein Tag ohne Revolution‘ und ‚Den Pandoras verfallen‘. Auch ‚Spiritus‘ hatte einen ganz eigenen Charme, dem ich mich nicht entziehen konnte. Die Musik hatte — ganz allgemein gesprochen — etwas sehr Individuelles und bewegte sich zwar in der Punkrockszene, doch das wurde sowohl musikalisch als auch von den Themen der Texte oftmals durchbrochen. Die Melodien waren irgendwo zwischen dem wunderschönen Gitarrenpop der C86-Bands und Post-Punk-Bands der ersten Stunde wie Xmal Deutschland angesiedelt. Dazu kam der sehr zerbrechlich wirkende Gesang von Marty.

„Kurzum: Es war ein ganz eigener Sound, und bereits zu diesem Punkt dachte ich, dass diese Band eigentlich einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden sollte.“

Martin „Kaktus“ Roeder am 5. September 2026. Die Nachricht ist am Telefon getippt; offensichtliche Verschreiber sind berichtigt, der Wortlaut im Übrigen unverändert.

Wie die Band an diesen Auftritt kam, hat Severin Schöllhammer 2026 erzählt — mit Vorbehalt: „Das Konzert kam, so weit ich mich erinnere, über einen Kontakt zustande, den wir beim dem Konzert in Reutlingen am 15.12.1992 geknüpft hatten. Wir waren eine junge unbekannte Band, auf der Suche nach Konzertmöglichkeiten und Kontakten, und wir haben versucht, das zu bekommen.“ Gemeint ist der Abend in der Bastille ein halbes Jahr zuvor — der zweite Auftritt der Band überhaupt.

Severin Schöllhammer, 12. September 2026.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Auch wenn wir damals mit dem Auftritt und den Begleitumständen höchst unzufrieden waren. Auch wenn es, wie man am Live-Mitschnitt hören kann, nicht gerade unser spielerisch bestes Konzert war. Es war ein besonderes Konzert: Das erste mit unserem neuen Drummer Eddie. Das einzige, bei dem Roman Schönsee bei uns mitspielte. Und es war ein sehr wichtiges Konzert mit weitreichenden positiven Folgen; Die Band Loonatikk fragte, ob sie unsere Instrumente leihen und auch spielen dürfen. Sie durften. Wir lernten uns kennen und uns sollte eine jahrelange Bandfreundschaft verbinden. Ihr damaliger Gitarrist Bernd Mall sollte unser zukünftiger Gitarrist werden. Außerdem war Kaktus im Publikum, sah die Band zum ersten Mal live. Wir kamen ins Gespräch – und er ermöglichte später unsere erste CD und wurde noch später Sänger der Band. Kein anderer Abend hatte so weitreichende Folgen. Auch verpatzte gigs können nützlich sein.15. Dezember 1992

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 10 Stücke · Marty (Gesang, Querflöte), Martin (Gitarre), Severin (Baß, „Gesang“), Eddie (Schlagzeug), als Gast Roman (Gitarre)
  1. Tanz
  2. Die Maschine lebt!
  3. Spiritus
  4. All Flowers Fade
  5. Ersetzt
  6. Raum
  7. Den Pandoras verfallen
  8. Tausend bunte Tage
  9. Verzeihung, …
  10. Kein Tag ohne Revolution

Getippter Kassetteneinleger aus dem Bandarchiv (Maxell XL II-S 90).

Der ganze Abend als Mitschnitt: 1 Aufnahme →

1992

15. Dezember 1992

Bastille, Reutlingen

Bastille, Reutlingen · mit den SIMONS

Aus der Bandchronik

„Wir spielen in der Bastille/Reutlingen mit den Simons und werden beschissen.“

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: keine Gage.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Ich hörte, wie sich in der Bastille welche unterhielten und sich über unseren Bandnamen lustig machten.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 12 Stücke
  1. Sarg ohne Boden
  2. Spiritus
  3. Die Maschine lebt
  4. Raum
  5. Es para ti
  6. Minnelied
  7. Verzeihung, …
  8. All Flowers Fade
  9. Den Pandoras verfallen (auf dem Blatt „Pandoras“)
  10. Ersetzt
  11. Tausend bunte Tage
  12. Kein Tag ohne Revolution (auf dem Blatt „Revolution“)

Handschriftliche Setlist auf gelochtem Papier, aus dem Bandarchiv — bis zum 11. September 2026 eines von fünf undatierten Blättern. Severin Schöllhammer hat es diesem Abend zugeordnet: es trägt „Sarg ohne Boden“, das einzige Lied, das Volker Schmieding sang und das nach seinem Ausstieg nicht mehr gespielt wurde, und es fehlt „Englischer Tanz“, das erst im Januar 1993 ins Programm kam. Damit bleiben zwei Abende, und der andere — Nürtingen, 28. November 1992 — hat sein eigenes Blatt, das an zehn von zehn Stellen der Reihenfolge des dortigen Mitschnitts folgt. Dieses hier ordnet dieselben zwölf Stücke anders. Zwei Titel stehen abgekürzt auf dem Blatt und sind auf die anderswo belegte Schreibweise gebracht.

28. November 1992

Big Bang, Nürtingen

Big Bang, Nürtingen · mit ERNÄHRUNGSSTÖRUNG, M.D.W.

Zum Flyer

Der erhaltene Flyer nennt als Ort ausdrücklich das „Big Bang“ gegenüber vom Europa-Haus in Nürtingen. Er kündigt zugleich den zweiten gemeinsamen Auftritt mit M.D.W. am 15. Dezember in der Reutlinger Bastille an — beide Termine stehen also auf einem Zettel.

Aus der Bandchronik

Der Jungferngig, im Big Bang in Nürtingen, mit Ernährungsstörung und M.D.W. — im selben Raum, in dem die Band fünf Monate zuvor zum ersten Mal geprobt hatte.

Aus der Aufstellung, die die Band selbst geführt hat, Stand 1995.

Gage laut einer zeitgenössischen Liste der Band: 111 Mark.

Was gespielt wurde

Ein erhaltenes Blatt, überschrieben „PLAYLIST der Blumen des Bösen“ und datiert „Nov. ’92“, nennt die Reihenfolge des Abends: „Die Maschine lebt!“, „Spiritus“, „Den Pandoras verfallen“, „Raum“, „Para Ti“, „Minnelied“, „All Flowers Fade“, „Verzeihung, …“, „Sarg ohne Boden“, „Ersetzt“, „Kein Tag ohne Revolution“, „Tausend bunte Tage“ und, in Klammern gesetzt, „Auf Wiedersehen“. Die Nummer neun fehlt in der Zählung des Blattes.

„Sarg ohne Boden“ sollte ursprünglich auf der ersten Platte erscheinen, der EP „Kein Tag ohne Revolution“, wurde aber kurz vor der Veröffentlichung gestrichen: die übrige Band mochte den Schlagzeuger, der das Lied sang, nicht mehr. Eine Aufnahme ist erhalten, veröffentlicht wurde sie nie.

„Auf Wiedersehen“ dürfte eine Fassung des gleichnamigen Liedes von EA80 gewesen sein. Ob es an diesem Abend tatsächlich gespielt wurde, ist offen — es gibt keinen Tonmitschnitt, und die Videoaufnahme bricht vorher ab.

„Para Ti“ und „Minnelied“ stammen von der Vorgängerband Excalibur; „Para Ti“ hieß dort noch „All the same to me“ und hatte einen englischen Text. Beide wurden 1992 auf einem Vierspurgerät aufgenommen, während der Sitzungen für die erste EP, veröffentlicht aber erst 1994 auf der Kassette „Der Chor brüllt uns nicht nieder“.

Aus dem Bandarchiv.

Severin Schöllhammer erinnert sich

Gerade mal drei Monate nach der ersten Probe das erste Konzert. Sicher hatten wir Lampenfieber. Rührend zu sehen, dass der Platz von Marty und Severin auf der Bühne damals noch ganz nah beieinander war. Frisch verliebt. M.D.W., die mit uns spielten, waren eine Punk-Band aus Filderstadt. Der Kontakt bleib noch eine Weile bestehen. So ein halbes Jahr später haben wir zusammen eine Party auf der Sulzburg gemacht.

Aufgeschrieben im September 2026, gut fünfundzwanzig Jahre danach.

Setlist — 12 Stücke · Marty (Gesang, Querflöte), Martin (Gitarre, Gesang), Severin (Baß, Gesang), Volker (Schlagzeug, Gesang)
  1. Spiritus
  2. Die Maschine lebt
  3. Den Pandoras verfallen
  4. Raum
  5. Es para ti
  6. Minnelied
  7. All flowers fade
  8. Verzeihung, …
  9. Sarg ohne Boden
  10. Ersetzt
  11. Kein Tag ohne Revolution (auf dem Playlist-Blatt Nr. 12; der Mitschnitt endet nach „Ersetzt“)
  12. Tausend bunte Tage (auf dem Playlist-Blatt Nr. 13; der Mitschnitt endet nach „Ersetzt“)

Umschlag der Kassette mit dem Mitschnitt, aus dem Bandarchiv. Dieselbe Kassette trägt auf der anderen Seite fünf Stücke der Vorgängerband Excalibur, aufgenommen im September 1989 im Proberaum in Bondorf. Ob „Es para ti“ dasselbe Stück ist wie das später „Para ti“ beziehungsweise „Cambiar la historia“ genannte, sagt der Umschlag nicht; es steht hier so, wie er es schreibt. — Die beiden letzten Zeilen stehen nicht auf dem Umschlag, sondern auf dem handschriftlichen Playlist-Blatt vom November 1992; der Mitschnitt bricht nach „Ersetzt“ ab. Der Absatz „Was gespielt wurde“ oben gibt das Blatt vollständig wieder. — Ein zweites Blatt zu diesem Abend ist am 11. September 2026 zugeordnet worden: eine handschriftliche Setlist von anderer Hand, die an allen zehn Stellen dieselbe Reihenfolge nennt wie dieser Umschlag und danach „Tausend bunte Tage“ und „Revolution“ anfügt. Die Band schrieb pro Konzert mehrere Listen, damit jeder hineinsehen konnte.