Back Again, Nr. 4
Interview
„Die Blumen des Bösen wurden im Juni 1992 gegründet von Martin/Gitarre, Severin/Baß, Marty/Gesang und Volker/Schlagzeug.“
Geführt nach der Deutschlandtournee im Spätsommer 1995. Der Verfasser hatte die Band an einem Freitagnachmittag in Essen gesehen, in einem kleinen Laden, angekündigt als Punk — und etwas anderes gehört: „eine Mischung zwischen rauhen Früh-80er Post-Punk und New Wave“.
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Die kürzere der beiden Rechnungen zur Gründung — vergleiche das Interview in der Boot Murder News Nr. 3. Seit wann gibt es die Band? „Die Blumen des Bösen wurden im Juni 1992 gegründet von Martin/Gitarre, Severin/Baß, Marty/Gesang und Volker/Schlagzeug. Alle hatten schon vorher Erfahrung bei diversen anderen Bands gesammelt. Januar 1994 fanden wir unseren jetzigen Schlagzeuger, Mai 1995 verließ Gründungsmitglied Martin die Blumen und wurde durch Bernd ersetzt.“ Wie kommt man darauf, sich nach einem Buch zu benennen? „Charles Baudelaire war ein opiumrauchender Dichter des 19. Jahrhunderts aus Frankreich. In seinem Hauptwerk ‚Die Blumen des Bösen‘ entwickelt er eine Ästhetik des Hässlichen, eine Umkehrung bürgerlicher Werte. Die Sprachgewalt dieses Buches hatte uns bereits 1990 in ihren Bann gezogen, als wir zum ersten Mal an eine Gruppe unter diesem Namen gedacht hatten. Bei der Gründung griffen wir darauf zurück, um uns bewußt von durchschnittlichen Deutsch-Punk-Bands abzuheben.“ Wie kam die CD zustande? „April 1994 bot uns Martin Roeder vom Kaktus-Label einen Plattenvertrag an, nachdem er uns bereits von unseren Produkten und Konzerten gekannt hatte. Da er uns alle Freiheiten zusicherte, nahmen wir an und spielten die Lieder im Januar 1995 ein.“ Bis kurz vor der Veröffentlichung war offen, ob Vinyl oder CD: „Obwohl uns Vinyl mehr zusagt, entschieden wir uns für CD, da der Absatz von Vinyl bei unseren Konzerten immer stärker zurückging.“ Warum deutsche und spanische Texte? „Für uns sind Musik und Texte je 50% des Gesamtliedes. Da uns die Texte wichtig sind, bedienen wir uns unserer Muttersprachen, die wir am besten beherrschen: deutsch und spanisch. Die deutschen Texte sind auch ein festes Konzept gegen die Allgegenwärtigkeit des englischen, unter dessen Deckmantel viele Kombos ihre Plattheiten verbergen, mit der Ausrede der Internationalität.“ Woher kommen die Einflüsse? „Unser Einfluß besteht daraus, daß jeder von uns aus seiner Umgebung Energie aufsaugt, die zu Kreativität verarbeitet wird. Diese Energie beziehen wir natürlich nicht nur aus der Musik, sondern auch aus Stimmungen, Landschaften, Jahreszeiten, Büchern, Filmen, Spaziergängen. Beim Schreiben von Liedern folgen wir Stimmungen und keinen abgekupferten Musikvorstellungen.“ Genannt werden Baudelaires Buch und die Filme „Schindlers Liste“ und „Weißes Blut“ — letzteres ist zugleich der Titel eines ihrer Stücke. Warum ein Cure-Stück auf Spanisch? „‚No lloraré‘ ist keine wörtliche Übersetzung, aber inhaltlich ähnlich. Wir waren der Meinung, daß, wenn man schon ein Lied nachspielt, man ihm seine eigene Handschrift verpassen müsse. Was lag also näher, als es in der Muttersprache Martys zu singen? Es war ein alter Wunsch von uns, ‚Boys don’t cry‘ auf unsere Weise zu spielen, praktisch als eine Hommage an einen Teil unserer Wurzeln. Jeder hatte das Lied schon in vorangegangenen Bands gespielt.“ Live klingt ihr rauher als auf Platte. Absicht? „Es ist eine unterschiedliche Zielsetzung: ein Konzert ist etwas schnell vergängliches und muß blitzschnell verglühen, während Aufnahmen für eine längere Zeit und mehrmaliges Hören bestimmt sind, also lange brennen müssen.“ Wie ging es weiter? Angekündigt wurden eine Live-Kassette auf Gorkon Recordings, „Poupée de son“ auf einem CD-Sampler und womöglich eine Split-Single mit Monkey Puzzle Tree. Erschienen ist die Split 1998, aber mit den Holsteins. Zum eigenen Anspruch: „Unser Weg soll uns nie von der Selbstverwaltung fortführen. Im Moment können wir alles, was wir mit der Band tun, selbst entscheiden, und so soll es bleiben.“