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Blumen des Bösen · BandarchivBlumen des Bösen

Weitere Abbildungen · 2

  • Cover der CD „Übermut werde Spaten“: eine Silhouette in einem hellen Türrahmen, grünstichig.
  • Rückseite von „Übermut werde Spaten“ mit allen fünfzehn Titeln in zwei Spalten und den Aufnahmeangaben.

Ein Klick öffnet das Bild in der Galerie, mit Beschreibung und Abschrift.

Jahr
1995
Format
Album
Tonträger
CD (1997 als Picture-LP bei Matatu)
Label
Kaktus Records

Was die Blätter schrieben

„Gesagt-getan, beide Stücke werden auf der im April erscheinenden CD enthalten sein.“
Metal Spirit · Erwähnung · auf der Presseseite
„Nachdem die EP in Szenekreisen prima ankam, nun die Debut-CD der Düsterpunks!!“
Impact · auf der Presseseite
„15 hübsche, originelle Songs […] angemischt aus Deutsch-Punk, Indie-Gitarren-Pop & melancholischem Folk, geprägt von der hellen, klaren Stimme der Sängerin Marty.“
Malibu · auf der Presseseite
„Auweia, was soll ich hierzu schreiben […]“
Ox-Fanzine, Nr. 21 · auf der Presseseite
„Die Blumen des Bösen schließen die Lücke zwischen EA 80 und Cranberries.“
Boot Murder News, Nr. 4 · auf der Presseseite
Unbekanntes Blatt · auf der Presseseite
„Fetzige Klänge zwischen englischem Indie-Beat und melodischem Punk sind zwar nichts Besonderes, die engelhafte Stimme namens Marty dafür umso mehr. Völlig konträr zu diesen verzerrten Gitarren, und trotz der nicht ganz deutlichen Aussprache absolut positiv.“
Ebus Chatbreaker · auf der Presseseite
Teenage Keks, Nr. 10 · auf der Presseseite
„Die Stuttgarter Blumen des Bösen machen keinen Punkrock im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine deutschsprachige Variante von Chumbawamba zur „Slap“-Zeit mit hochpolitischen Texten, die eine direkte Verwandtschaft zum Hippietum nicht leugnen können.“
Plastic Bomb, Nr. 22 · auf der Presseseite

Besetzung

Von der Hülle abgeschrieben: Arno – Schlagzeug, Schetter · Martin – Gitarren, Baß · Marty – Gesang, Schetter, Querflöte, Geige, Synthi · Severin – Baß, Gitarren, Gesang Bernd Mall: Gastsänger bei „Kein Tag ohne Revolution“, „Entre dos lenguas“, „Geraubt durch die Zeit“, „Keiner weiß…“ und „Weißes Blut“. Peter Filsinger: Sprecher bei „Weißes Blut“. Roman Schönsee: Produzent. Aufgenommen und abgemischt Januar 1995 in der Factory of Audio Arts, „Angst“ und „Geraubt durch die Zeit“ im Mai 1994. Alle Stücke von den Blumen des Bösen, außer „No lloraré“ (Musik: Smith/Tolhurst/Dempsey) und „Keiner weiß“ (Text und Musik: Loonatikk). Umgekehrt spielen Loonatikk „Fade“, das von den Blumen des Bösen stammt.

Übermut werde Spaten

Trackliste

Alles herunterladen (ZIP, 13 Aufnahmen) Nicht alle Aufnahmen sind freigegeben — enthalten ist, was aus dem Bandarchiv stammt.

01Meister des Zufalls · 3:54Text lesenHerunterladen
02Kein Tag ohne Revolution · 3:41Text lesenHerunterladen
03Entre dos lenguas · 4:00Text lesenHerunterladen
04Angst · 5:29Text lesenHerunterladen
05Krieg der Plakatkleber · 2:33Text lesenHerunterladen
06Ersetzt · 3:08Text lesenHerunterladen
07No lloraré · 2:34Text lesenEigener Text auf „Boys Don’t Cry“ von The Cure — Rechte am Original nicht geklärt
08Wilde bunte Kinder · 3:56Text lesenHerunterladen
09Geisterfahrer · 1:32Text lesenHerunterladen
10Doktor Allwissend · 2:31Text lesenHerunterladen
11Betrug · 3:55Text lesenHerunterladen
12Geraubt durch die Zeit · 4:59Text lesenHerunterladen
13Keiner weiß … · 2:57Herunterladen
14Fade (Loonatikk) · 5:08auf Wunsch von Loonatikk, deren Stück die Band hier gecovert hat
15Weißes Blut · 6:38Text lesenHerunterladen

Anmerkung

Bezahlt hat die Platte Martin Roeder. Er hatte die Band seit 1994 immer öfter getroffen und ihre Konzerte besucht, hörte dort zunehmend Stücke, die auf der Single „Kein Tag ohne Revolution“ nicht enthalten waren, und bot an, die Kosten für Aufnahme und Pressung zu übernehmen; die Band selbst konnte sie nicht aufbringen. Erschienen ist das Album auf seinem Label Kaktus Records — neben dem Fanzine führte er einen kleinen Kassetten- und Plattenvertrieb, der die Single der Blumen schon im Programm hatte.

Das Artwork machte die Band selbst. Den Vertrieb teilten sich beide Seiten: Martin Roeder brachte die CD in die Plattenläden und schickte sie an Fanzines zur Besprechung, die Band verkaufte sie auf ihren Konzerten.

Gepresst wurden 500 Stück. Von der ersten 7“ hatte die Band rund tausend machen lassen und damit schlechte Erfahrungen gemacht; eine größere Auflage kam deshalb nicht mehr in Frage. Für die 500 gibt es seit dem 28. September 2026 eine Spur auf Papier: auf dem Entwurf des Covers steht handschriftlich „500ד. Ein Beleg des Presswerks ist das nicht, aber die Zahl stand damit schon auf der Druckvorlage. Für die 7“ nennt die Bandseite 1033 Stück. Severin Schöllhammer hält diese für die richtige: „1033 ist so schräg, daß ich es nicht erfunden haben würde. Das war wohl die korrekte Zahl, wie sie vom Presswerk genannt wurde.“ Den Rechnungsbeleg dazu sucht er noch.

Erstes Album. Die Release-Party im Mai 1995 in Öhringen war zugleich das Abschiedskonzert von Gründungsmitglied Martin Ullmann. Im Dezember 1997 als Picture-Disc-LP bei Matatu Records neu aufgelegt, mit einem Bonuslied.

Angaben nach der Bandchronik.

Die Picture-LP von 1997 trug bei Matatu Records die Katalognummer MR 001 — die Platte war also die erste Veröffentlichung des Labels überhaupt. Auf seiner Bandseite bot Matatu zwei Hörproben an; die Datei zu „No lloraré“ hieß dort boys.ram, die zu „Ersetzt“ replaced.ram. Der Dateiname stützte lange die Vermutung, „No lloraré“ sei eine spanische Fassung von „Boys Don’t Cry“ (The Cure); die Picture-Disc von 1997 druckt es ausdrücklich ab und macht aus der Vermutung einen Beleg. Die Tondateien selbst sind nicht archiviert.

Zeitgenössische Besprechung, Plastic Bomb Nr. 22: „Die Stuttgarter BLUMEN DES BÖSEN machen keinen Punkrock im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine deutschsprachige Variante von CHUMBAWAMBA zur ‚Slap‘-Zeit mit hochpolitischen Texten.“ © Plastic Bomb. Zitiert nach der Labelseite: web.archive.org/web/20030817025051/http://www.matatu-records.de/die%20blumen.htm

Das Bonuslied der Picture-Disc

Das Bonuslied der Picture-Disc von 1997 ist eine Bearbeitung von „Poupée de son“ (France Gall), die die Band schlicht „Puppe“ nannte. Aufgenommen im Oktober 1995, mit Bernd bereits an der Gitarre — in derselben Sitzung wie die beiden Stücke für den Rabauz-Sampler. Bis dahin war in den Quellen nur von einem namenlosen Bonustrack die Rede.

Die Boot Murder News hielt das Album für das Beste, was die Band bis dahin veröffentlicht hatte, und die 26 Mark für einen reellen Gegenwert. Weitere Besprechungen erschienen im Teenage Keks und im Ebus Chatbreaker; eine Quelle ist bislang nicht bestimmt.

Aufgenommen wurde das Album, als längst feststand, dass es das letzte mit Martin Ullmann sein würde. Severin Schöllhammer 2026 dazu: „Für mich war Martin mein Weggefährte von Anfang an. Der wichtigste Mensch und Begleiter in meiner musikalischen Laufbahn. Als er ankündigte, auszusteigen, brach eine Welt für mich zusammen. Sicher habe ich mich auch mit dem Gedanken getragen, die Band aufzulösen. Die Band stand also wirklich vor dem Aus.“

Ullmann überredete die übrigen, bis zu seinem Ausstieg weiterzumachen, als wäre nichts — genauso ernsthaft zu proben, zusammen Spaß zu haben und Musik zu machen. „In dieser Stimmung wurde dann auch das Album ‚Übermut werde Spaten‘ aufgenommen: Wir haben versucht, nicht daran zu denken, dass es ein Ende sein wird. Wir haben unser bestes gegeben. Für die Band. Für Martin. Für uns selbst.“

Nach den Studioaufnahmen und vor dem Abschiedskonzert traf sich die Band weiter im Proberaum. Weil das Material saß, wurde viel improvisiert; dabei entstanden Lieder, die nie ausgearbeitet und nie veröffentlicht wurden. Sie existieren nur als Proberaumaufnahmen in Severin Schöllhammers Privatarchiv. Nach Severin Schöllhammer, 5. September 2026.

Was der Titel heißt, hat die Band im Oktober 1995 im Radio erklärt. Auf die Bitte um eine kurze Erklärung antwortete Severin Schöllhammer mit vier Worten: „Energie werde Tatkraft.“ Aufgenommen wurde das Album in rund zehn Tagen, „eigentlich schon von morgens bis abends“. Aus dem Gespräch in der Punk Rock Party der Wüsten Welle, 3. Oktober 1995; die Abschrift ist Maschinenarbeit und nicht gegengehört.

Die Picture-Disc von 1997

Die Picture-Disc ist nicht dieselbe Platte in anderer Hülle. Ihre Rückseite ist vollständig neu gestaltet, und ihre Titelfolge weicht ab: dreizehn Stücke statt fünfzehn, geteilt in die Seiten „Hier“ und „Dort“. Es fehlen „Geraubt durch die Zeit“, „Keiner weiß …“ und „Fade“ der Loonatikk; dazu kommt das Bonuslied „Puppe“. Die Reihenfolge ist eine andere als auf der CD.

Die Platte druckt die Aufnahmezeiten mit ab: alle Lieder im Januar 1995, „Angst“ im Mai 1994, „Puppe“ im Oktober 1995. Ebenso die Besetzung — Marty (Gesang, Schetter, Querflöte, Synthi), Martin (Gitarren, Baß), Severin (Baß, Gitarren, Gesang), Arno (Schlagzeug, Schetter) — und die Katalognummer, die dort „Matatu 001“ heißt, während die Labelseite „MR 001“ führte. Seit dem 5. Oktober 2026 hat sie deshalb einen eigenen Eintrag in der Diskografie.

Nach zwei Aufnahmen der Platte von Severin Schöllhammer, 12. September 2026.

Zwei Lieferscheine halten fest, wann die gepressten CDs ankamen: zwei Kartons mit 13 Kilogramm am 12. Mai 1995, vier Kartons mit 35 Kilogramm am 17. Mai. Gepresst hat Disc Master in Hildesheim. Die erste Lieferung traf damit einen Tag vor der Release-Party ein, die am 13. Mai 1995 in Öhringen stattfand und zugleich Martin Ullmanns Abschiedskonzert war. Eine Auflagenzahl steht auf keinem der beiden Belege.

Erhalten sind außerdem zwei Preislisten des Tonstudios Factory of Audio Arts, in dem die Band arbeitete. Zur Herstellung dieser Platte können sie nicht gehören: die zweite trägt den Aufdruck „gültig ab 12.12.1995“, und das Album war da längst im Handel. Was 1995 eine Pressung kostete, sagen sie trotzdem — 500 CDs mit vierseitigem Booklet und zehn Studiotagen für 6.000 Mark.

Lieferscheine, Preislisten und der Entwurf des Booklets: Severin Schöllhammer, 28. September 2026.