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Blumen des Bösen · BandarchivBlumen des Bösen

1991–2002

Presse & Interviews

Was andere über die Band gesagt und geschrieben haben, und was die Band ihnen geantwortet hat — Gespräche im Radio, auf Film und in Fanzines aus dem Selbstverlag, Lokalzeitungen und ein paar Seiten, die nur noch das Internet Archive kennt. Zitiert wird kurz: die Texte gehören ihren Verfassern und ihren Blättern. Die Blätter selbst liegen als Scans in der Galerie, dort unter „Presse & Fanzine“; jeder Beleg unten führt direkt zu seinem Blatt.

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Stimmen
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Quellen
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Scans im Bildarchiv
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besprochene Platten
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belegte Abende
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10 von 57 Stimmen.

Interviews

Dreimal war die Band bei der Wüsten Welle in Tübingen zu Gast, dem Freien Radio der Stadt. Diese Gespräche stehen im Wortlaut auf eigenen Seiten, der Ton dazu. Ebenso das gefilmte Gespräch vor dem Jugendzentrum Nagold von 1993 und das Interview im Kaktus-Fanzine — dessen Verfasser, vier Jahre später Sänger der Band, hat den vollständigen Abdruck freigegeben.

Die übrigen gedruckten Gespräche gehören ihren Verfassern und den Blättern, in denen sie erschienen. Von ihnen steht hier kein Nachdruck, sondern eine Zusammenfassung: die Antworten der Band im Wortlaut, die Fragen sinngemäß verkürzt. Die Seiten selbst liegen als Scan in der Galerie.

Jugendzentrum Nagold, Battle of the Bands

Interview · 3. Juli 1993 · Hans Siebert

„Ich weiß, dass sie nicht verstanden werden, aber ich schreibe nicht, um verstanden zu werden.“

Das früheste bekannte Interview der Band — ein Jahr vor dem Gespräch im Kaktus-Fanzine, zwei Jahre vor dem ersten Besuch im Freien Radio. Hans Siebert leitete das Jugendzentrum Nagold und befragte die Gruppen des Abends vor ihrem Auftritt; die Blumen des Bösen waren die fünfte von neun. Severin Schöllhammer erklärt darin den Bandnamen („Das war damals einfach mein Lieblingsbuch“) und warum er keine Textblätter verteilt, Marty González Martín spricht über den Blickkontakt zum Publikum. Nebenbei fällt eine Angabe, die sonst nirgends steht: die Band hatte schon Jahre zuvor in Nagold spielen wollen, „wo wir noch einen anderen Gruppennamen hatten“. Aufgenommen ist das Gespräch auf Film; er steht im Videoarchiv.

Kaktus, Nr. 2

Interview · 1994 · Martin „Kaktus“ Roeder

„Die spielen so ziemlich den innovativsten Punkrock, den ich in unseren Breiten kenne.“

Das Gespräch führte Martin „Kaktus“ Roeder, der das Heft machte — derselbe, der vier Jahre später Sänger der Band wurde. Alle vier saßen an einem Sonntag vor dem Recorder. Datiert ist der Scan nicht: Arno Ritter wird als „der neue Schlagzeuger“ vorgestellt (er kam im Januar 1994), die „Frage des Jahres“ gilt dem Tod von Kurt Cobain (April 1994), und die erste CD soll „Anfang nächsten Jahres“ erscheinen — das Interview stammt also aus dem Frühjahr oder Sommer 1994. Auf den Seiten steht keine Nummer — kein Kaktus-Heft trägt eine auf der Titelseite. Martin „Kaktus“ Roeder hat sie am 10. September 2026 aus dem Gedächtnis genannt: es war Ausgabe 2. Severin Schöllhammer erzählt darin, wie der Text von „Kein Tag ohne Revolution“ an einer roten Ampel entstand, und nennt als Einflüsse Slits, EA 80, France Gall und TKKG; Marty González Martín berichtet, dass sie die Querflöte in die Band brachte. Den Abdruck im Wortlaut hat Martin „Kaktus“ Roeder am 17. September 2026 freigegeben. „Martin“ ist in diesem Gespräch Martin Ullmann, der Gitarrist — nicht der Fragesteller, der im Heft durchgehend „Kaktus“ heißt.

Pinhead, Nr. 11

Interview · Dezember 1994

Die Versandliste von Pins & Artists kündigt zum Jahresende 1994 an, Pinhead Nr. 11 erscheine ab Dezember und enthalte ein Interview mit der Band. Daher die Datierung. Die Ausgabe Winter 1994/Frühjahr 1995 kündigt auf dem Umschlag Interviews mit Raped, Terrorgruppe, den Blumen des Bösen und den Magic Splatters an. Das Gespräch selbst ist noch nicht ausgewertet.

Belege
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Boot Murder News, Nr. 3

Interview · Januar 1995

„Interpretationen verstümmeln den Inhalt!“

Das ausführlichste Gespräch aus der Zeit. Es nennt die Hörgewohnheiten aller vier — Arno Dark Wave, Punk, Ska und Reggae; Martin Dark Wave, Punk, Gitarrenpop, NDW und Sechziger; Severin Garagenpunk, alten New Wave, Hardcore, Hörspiele und, mit zwei Fragezeichen versehen, dekadente Schlager; Marty die Cranberries, Sugarcubes, EA 80, Mo-Dettes, Girls At Our Best, Raincoats und Slits.

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Die Texte seien bewußt auf deutsch und spanisch geschrieben, den Muttersprachen, und handelten von Selbsterlebtem und Selbstkritischem — „Die Welt unterm Mikroskop!“ Auf die Frage, was sie anders machen würden, antwortete die Band: reiche Eltern haben, einen Proberaum um die Ecke statt einer Stunde Fahrt, und die Fehlversuche bei Schlagzeugern aussparen. „Wir hätten uns einfach früher finden sollen!“ Dieselbe Ausgabe druckt eine Preisliste: das Demo von 1992 für sieben Mark, die 7“ von 1993 und das Tape von 1994 für je acht, drei Titel zusammen für siebzehn — Porto inbegriffen. Die CD sollte im April 1995 erscheinen und ungefähr 25 Mark kosten. Angekündigt wird sie dort noch als Zwölftonner; erschienen ist sie mit fünfzehn Stücken. Und sie ist die Quelle für das zweite Gründungsdatum der Band: „Nach 10jährigem Bestehen (Gründung 20. Nov. ’84), unzähligen Umbesetzungen & Namensänderungen, 3 Demos & 1 Single“ erscheine nun die Debüt-CD; Severin Schöllhammer spricht dort von „10 Jahren Glaube an die Unmöglichkeit“ der eigenen Musik. Das ist kein Widerspruch zum Juni 1992, sondern die längere Rechnung — der 20. November 1984 ist der Tag, seit dem Martin Ullmann und Severin Schöllhammer zusammen Musik machten. Beide Zahlen stimmen, sie zählen nur Verschiedenes. Die schlechtesten Erinnerungen? Martin und Severin: „Daß ehemalige Bandkollegen die Bandkasse geklaut haben.“ Arno: „1 Jahr ohne Band.“ Marty: „Nicht wissen, wie mit ihrer Stimme in Punkmusik umgehen.“ Und die besten? Marty: „Zum ersten Mal die Platte in Händen gehalten.“ Arno: der erste Auftritt, an seinem Geburtstag, „ein erstes richtiges Bandgefühl“. Martin: die ersten Vierspuraufnahmen für das erste Demo. Severin: „Erste positive Reaktionen auf unsere Musik nach 10 Jahren Glaube an die Unmöglichkeit derselben.“ Und die Pläne? „Im August/September ’95 steht eine 2wöchige Deutschlandtour an. Wir werden neue Lieder schreiben, eventuell ein kleines Video drehen. Zukunftsrealität? Frag Nostradamus!“

Belege
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Wüste Welle

Interview · 3. Oktober 1995

„Arno spielt Schlagzeug, hat langes blondes Haar, ist 20 und sieht jung und knackig aus.“

Die Band zu Gast im Freien Radio Wüste Welle in Tübingen, in einer Besetzung, die die Quellen nicht einig nennen: die Ankündigung führt Arno Ritter, Severin Schöllhammer, Martin Ullmann und Bernd Mall — Ullmann war aber seit dem 13. Mai 1995 nicht mehr dabei, und Mall kam für ihn. Die Beschreibung der Hörgewohnheiten weiter unten nennt als vierte Person Marty González Martín. Welche Lesung stimmt, sagt keine Quelle. Weil Radio niemanden zeigt, beschreiben sich die vier zu Beginn gegenseitig — das ist der schönste Teil des Gesprächs. Die Abschrift stammt von einer Maschine und ist nicht gegengehört. Wo ein Lied in das Gespräch hineinreicht, steht mit einiger Wahrscheinlichkeit Liedtext statt Rede; Liedtitel versteht die Maschine besonders oft falsch.

Metzinger-Uracher Volksblatt

Interview · 22. Dezember 1995

Severin Schöllhammer nennt die Musik dort „Barockpunk“ — „Punk“ für geradeaus und ohne Kompromisse, „Barock“ für den Sinn für Schnörkel. Zwei Jahre zuvor, in Wassenberg, hatte dieselbe Band ihre Musik noch als „depressiven Punk-Rock“ angekündigt.

Belege
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Wüste Welle

Interview · 10. Januar 1996

„War phänomenal gut. Wir hatten 20 Konzerte, eine kleine Deutschland-Tour und eins in Paris.“

Am Nachmittag vor dem Konzert im Epplehaus, in dessen eigener Sendung auf der Wüsten Welle — zusammen mit Sober, die am selben Abend mitspielten. Die Band sucht sich „Kein Tag ohne Revolution“ und „Entre dos lenguas“ aus, erklärt den Titel der Single („Revolution eigentlich im Kleinen … du selber kannst etwas verändern“) und warum sie deutsch und spanisch singt und nicht englisch. Beim Rückblick auf 1995 fallen zwanzig Konzerte, eine kleine Deutschlandtour, ein Auftritt in Frankreich und der neue Saxophonist aus Tübingen. Der Moderator liest dabei denselben Text über die Band vor, der auch auf der Rückseite der Livekassette „umsonst + drinnen“ steht. Die Abschrift stammt von einer Maschine und ist nicht gegengehört. Wo ein Lied in das Gespräch hineinreicht, steht mit einiger Wahrscheinlichkeit Liedtext statt Rede; Liedtitel versteht die Maschine besonders oft falsch.

Wüste Welle

Interview · 2. September 1997 · Captain Gallina

„Genau, wir sind die Veteranen.“

Fast zwei Jahre nach dem ersten Besuch, „exakt vor 100 Sendungen“, wie der Moderator sagt. Das Gespräch hält den Umbruch von 1996/97 fest: Kornel Lapon am Saxophon, Waldek Kopeć an der Gitarre, der Drumcomputer Nox am Schlagzeug — und die Frage, wo die nächste Platte erscheinen soll, nachdem Kaktus Records nicht mehr weitermachte. Genannt werden 13 bis 14 geplante Studiostücke und Matatu Records aus Gera. Die Abschrift stammt von einer Maschine und ist nicht gegengehört. Wo ein Lied in das Gespräch hineinreicht, steht mit einiger Wahrscheinlichkeit Liedtext statt Rede; Liedtitel versteht die Maschine besonders oft falsch.

Back Again, Nr. 4

Interview

„Die Blumen des Bösen wurden im Juni 1992 gegründet von Martin/Gitarre, Severin/Baß, Marty/Gesang und Volker/Schlagzeug.“

Geführt nach der Deutschlandtournee im Spätsommer 1995. Der Verfasser hatte die Band an einem Freitagnachmittag in Essen gesehen, in einem kleinen Laden, angekündigt als Punk — und etwas anderes gehört: „eine Mischung zwischen rauhen Früh-80er Post-Punk und New Wave“.

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Die kürzere der beiden Rechnungen zur Gründung — vergleiche das Interview in der Boot Murder News Nr. 3. Seit wann gibt es die Band? „Die Blumen des Bösen wurden im Juni 1992 gegründet von Martin/Gitarre, Severin/Baß, Marty/Gesang und Volker/Schlagzeug. Alle hatten schon vorher Erfahrung bei diversen anderen Bands gesammelt. Januar 1994 fanden wir unseren jetzigen Schlagzeuger, Mai 1995 verließ Gründungsmitglied Martin die Blumen und wurde durch Bernd ersetzt.“ Wie kommt man darauf, sich nach einem Buch zu benennen? „Charles Baudelaire war ein opiumrauchender Dichter des 19. Jahrhunderts aus Frankreich. In seinem Hauptwerk ‚Die Blumen des Bösen‘ entwickelt er eine Ästhetik des Hässlichen, eine Umkehrung bürgerlicher Werte. Die Sprachgewalt dieses Buches hatte uns bereits 1990 in ihren Bann gezogen, als wir zum ersten Mal an eine Gruppe unter diesem Namen gedacht hatten. Bei der Gründung griffen wir darauf zurück, um uns bewußt von durchschnittlichen Deutsch-Punk-Bands abzuheben.“ Wie kam die CD zustande? „April 1994 bot uns Martin Roeder vom Kaktus-Label einen Plattenvertrag an, nachdem er uns bereits von unseren Produkten und Konzerten gekannt hatte. Da er uns alle Freiheiten zusicherte, nahmen wir an und spielten die Lieder im Januar 1995 ein.“ Bis kurz vor der Veröffentlichung war offen, ob Vinyl oder CD: „Obwohl uns Vinyl mehr zusagt, entschieden wir uns für CD, da der Absatz von Vinyl bei unseren Konzerten immer stärker zurückging.“ Warum deutsche und spanische Texte? „Für uns sind Musik und Texte je 50% des Gesamtliedes. Da uns die Texte wichtig sind, bedienen wir uns unserer Muttersprachen, die wir am besten beherrschen: deutsch und spanisch. Die deutschen Texte sind auch ein festes Konzept gegen die Allgegenwärtigkeit des englischen, unter dessen Deckmantel viele Kombos ihre Plattheiten verbergen, mit der Ausrede der Internationalität.“ Woher kommen die Einflüsse? „Unser Einfluß besteht daraus, daß jeder von uns aus seiner Umgebung Energie aufsaugt, die zu Kreativität verarbeitet wird. Diese Energie beziehen wir natürlich nicht nur aus der Musik, sondern auch aus Stimmungen, Landschaften, Jahreszeiten, Büchern, Filmen, Spaziergängen. Beim Schreiben von Liedern folgen wir Stimmungen und keinen abgekupferten Musikvorstellungen.“ Genannt werden Baudelaires Buch und die Filme „Schindlers Liste“ und „Weißes Blut“ — letzteres ist zugleich der Titel eines ihrer Stücke. Warum ein Cure-Stück auf Spanisch? „‚No lloraré‘ ist keine wörtliche Übersetzung, aber inhaltlich ähnlich. Wir waren der Meinung, daß, wenn man schon ein Lied nachspielt, man ihm seine eigene Handschrift verpassen müsse. Was lag also näher, als es in der Muttersprache Martys zu singen? Es war ein alter Wunsch von uns, ‚Boys don’t cry‘ auf unsere Weise zu spielen, praktisch als eine Hommage an einen Teil unserer Wurzeln. Jeder hatte das Lied schon in vorangegangenen Bands gespielt.“ Live klingt ihr rauher als auf Platte. Absicht? „Es ist eine unterschiedliche Zielsetzung: ein Konzert ist etwas schnell vergängliches und muß blitzschnell verglühen, während Aufnahmen für eine längere Zeit und mehrmaliges Hören bestimmt sind, also lange brennen müssen.“ Wie ging es weiter? Angekündigt wurden eine Live-Kassette auf Gorkon Recordings, „Poupée de son“ auf einem CD-Sampler und womöglich eine Split-Single mit Monkey Puzzle Tree. Erschienen ist die Split 1998, aber mit den Holsteins. Zum eigenen Anspruch: „Unser Weg soll uns nie von der Selbstverwaltung fortführen. Im Moment können wir alles, was wir mit der Band tun, selbst entscheiden, und so soll es bleiben.“

Leistungsabfall, Nr. 2

Interview

Die Band hat dieses Interview auf Tonband gesprochen. Das Blatt schreibt selbst, die Aufnahme sei stark verrauscht gewesen und man habe die Antworten nicht immer den einzelnen Mitgliedern zuordnen können — der Abdruck ist entsprechend sprunghaft. Sicher lesbar ist die Kontaktadresse der Band: sie saß in Neuffen.

Belege
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Was fehlt

Von den drei Sendungen der Wüsten Welle Tübingen (3. Oktober 1995, 10. Januar 1996 und 2. September 1997) liegen die Mitschnitte vor und stehen oben unter den Interviews; eine Ankündigung oder Besprechung dazu ist aber nirgends auffindbar — der Sender ist im Internet Archive erst ab 2000 vertreten. Gedrucktes aus den Jahren 1997 und 1998 liegt überhaupt nicht vor.

Bei mehreren Ausschnitten ist nicht vermerkt, welches Blatt sie gedruckt hat — sie stehen oben als „Lokalpresse“ oder „Unbekanntes Blatt“. Wer die Hefte im Regal hat, möge nachsehen.